Für einen selbstsicheren, offenen Glauben
Am 3. Oktober traten im zentralen Gottesdienst zum 25-jährigen Jubiläum der Deutschen Einheit in Frankfurt nicht nur katholische, evangelische und orthodoxe Christen auf. "Friedensgrüße" überbrachten außer einer jüdischen Rabbinerin auch ein islamischer Imam und ein Vertreter der Sikh. Das war nicht nur ein Zeichen für die Vielfalt Frankfurts, sondern eines religiös pluralen Staates. Zugleich warfen die Grüße ein Licht auf den interreligiösen Dialog der Kirche.
Am 28. Oktober vor 50 Jahren fand in Rom eine besonders heftig geführte Diskussion ihren Abschluss mit einem Text, der letztlich nahezu einstimmig angenommen wurde: die Erklärung "Nostra Aetate" über die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen. Sie ist vor allem als Neubestimmung des Verhältnisses zum Judentum bekannt geworden. Da liegt auch fraglos ihre größte Bedeutung.
Der kurze Text - er umfasst kaum vier Seiten in fünf Punkten - ist aber auch darüber hinaus lesenswert. Alle Völker seien heutzutage eine einzige Gemeinschaft, die Gott als ein und dasselbe letzte Ziel habe. Alle Menschen erwarteten von den Religionen Antworten auf ihre ungelösten Rätsel. Nur auf dem Hintergrund dieses Textes sind die Weltgebetstreffen in Assisi 1986, 1993, 2002 und 2011 zu verstehen.
Der Punkt drei der Erklärung ist dem Islam gewidmet. "Mit Hochachtung" betrachte die Kirche die Muslime. Gemeinsamkeiten werden festgestellt im Bezug auf den Einen Gott, den Schöpfer, Abraham, Jesus, Maria, Endgericht und Lebensführung. Alte Zwistigkeiten und Feindschaften sollen der Vergangenheit angehören zugunsten eines gemeinsamen Eintretens für Soziale Gerechtigkeit und "nicht zuletzt den Frieden und die Freiheit für alle Menschen".
Mit den Flüchtlingen aus arabischen Ländern kommen viele Muslime in unser Land. Sie werden unser türkisch geprägtes Bild des Islam modifizieren. Ein sicheres Wurzeln im Eigenen ist die Voraussetzung für das Zugehen auf Fremde und Andere. Als Christen sind wir gefordert, Ängsten vor Verlust und Überfremdung mit einem selbstsicheren, offenen Glauben zu begegnen, der Menschen anderer Religion zu achten und zu integrieren vermag.
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