Ganz bei Gott
"Die Weihnachtstage bestehen bei uns vor allem aus beten und essen, immer abwechselnd", erzählt schmunzelnd Schwester Ursula, Postulatsleiterin bei den Dominikanerinnen im rheinischen Arenberg. Um 15 Uhr wird an Heiligabend die erste Vesper gebetet, zum anschließenden Kaffee wird der Christstollen angeschnitten. Auch nach der Christmette wird noch ein wenig weitergefeiert. "Die jüngeren Schwestern stoßen dann noch mit einem Glas Wein aufs Christkind an."
Eine klassische Bescherung gibt es in Kloster Arenberg nicht. Die Schwestern können sich zwar zum Fest eine Kleinigkeit wünschen, aber die Geschenke werden schon vor Heiligabend verteilt. "An Weihnachten wollen wir uns auf das Wesentliche konzentrieren", erklärt Schwester Ursula. Familienbesuch ist an den Feiertagen möglich, aber in der Praxis eher selten. "Wir verstehen uns hier im Kloster als Familie", betont die Dominikanerin.
Dinner mit "Würscht"
Mit einem "Candlelight-Dinner" begehen die Benediktiner von Sankt Bonifaz in München den 24. Dezember, berichtet Subprior Pater Korbinian. Auf dem Speiseplan stehen, ganz traditionell, "Würscht". Überhaupt kommen die leiblichen Genüsse zu Weihnachten nicht zu kurz: Nach der Christmette lädt der Abt die Mönche noch zu einem Glas Wein ein, und am Weihnachtstag gibt es ein Festessen. "Voriges Jahr hatten wir Rehbraten", erinnert sich der Benediktiner mit seinem breiten bayerischen Akzent.
Am zweiten Feiertag hätten die Klosterbrüder die Möglichkeit, ihre Familien zu besuchen, zumindest dann, wenn die Angehörigen in München oder Umgebung wohnen. "Ich besuche dann immer meine Eltern", sagt Pater Korbinian. Auch Geschenke gibt es in Sankt Bonifaz, berichtet der Subprior. An Heiligabend bekomme jeder Mönch ein kleines Tütchen. Eine Fläschchen Wein sei da drin, ein paar Plätzchen oder eine CD. Wer einen besonderen Wunsch hat, darf den gegenüber dem Abt äußern. "Aber da gibt es keine feierliche Überreichung."
Ganz anders feiern die Mönche in Mariawald, Deutschlands einzigem Trappistenkloster, das Weihnachtsfest. "Im Kloster gibt es bescheidene äußere Zeichen des Festes, zum Beispiel einen Lichterbaum", berichtet Abt Josef, der die Anfrage mit Verweis auf das Schweigegebot in der Ordensregel nur schriftlich beantwortet. Die Feier der Tage sei jedoch "gänzlich bestimmt durch Dank und Gebet anlässlich der Erinnerung an die Menschwerdung des Erlösers".
Ganz bei Gott
Auch im Karmel Regina Martyrum in Berlin ist der Heiligabend ein Tag der Stille. Nach dem Abendessen ziehen sich die Schwestern in ihre Zellen zurück, um sich auf die Christmette vorzubereiten. "Ich finde es sehr wohltuend, Christus auf diese Weise in mir Mensch werden zu lassen", erklärt Schwester Claudia Elisheva. Gerade dann, wenn sich in den Familien alles um die Geschenke dreht, "wenn die Kinder das 37. Auto auspacken", ist sie ganz bei Gott. Ein schöner Kontrapunkt sei das, betont die Karmelitin. Der Weihnachtstag werde dann bewusst festlich begangen. Zum Mittagessen gebe es Tischmusik, und an die Stelle der Stille trete nun der "freudige Austausch", erzählt Schwester Claudia Elisheva. Besonders wichtig sei dem Orden der Gemeinschaftsaspekt, weshalb Verwandtenbesuch an den Feiertagen nicht üblich sei. Auch gebe es keine individuellen Geschenke, sondern einen Plätzchenteller für alle.
Etliche Klöster öffnen an Weihnachten auch ihre Pforten. Die Franziskanerinnen von Sießen etwa laden Frauen zwischen 18 und 40 Jahren ein, zusammen die Festtage vorzubereiten und zu feiern. Das Angebot beginnt am 21. Dezember und endet mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag. Von Heiligabend bis zum Neujahrstag sind Alleinstehende bei den Herz-Jesu-Priester in Neustadt im Schwarzwald willkommen. Weihnachten für Singles bietet auch das Exerzitienhaus der Franziskaner in Hofheim im Taunus an. Das Programm ist bunt und reicht von spirituellen Impulsen über Wanderungen und Gottesdienste bis hin zum gemütlichen Abend bei Feuerzangenbowle.
Von Andreas Laska