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Erster bundesweiter Gedenktag an die Opfer von Flucht und Vertreibung

Gauck fordert mehr Offenheit

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Bundespräsident Joachim Gauck bei einem Besuch des Europarats in Straßburg am 22. April 2013.
Berlin - Zum ersten bundesweiten Gedenktag an die Opfer von Flucht und Vertreibung hat Bundespräsident Joachim Gauck an deren Leid erinnert. Gleichzeitig wünsche er sich, dass das Erinnern an die Vertriebenen damals das Verständnis für Flüchtlinge heute vertiefe.

Dabei sei er in den 50er Jahren wie die meisten Ostdeutschen durch westdeutsche Medien über die Schicksale von Vertriebenen informiert worden. Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen sei fast immer schwierig und fast immer emotional gewesen.

Er wünsche sich, so Gauck weiter, dass das Erinnern an die Vertriebenen damals das Verständnis für Flüchtlinge heute vertiefe und zugleich die Auseinandersetzung mit den "Entwurzelten von heute" die Empathie für die Geflohenen von damals fördere. Gauck begrüßte vor diesem Hintergrund, dass mit der Gründung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung im Jahr 2008 die Erinnerungsarbeit weitergeführt werde.

Gauck: Offenheit für das Leid der Anderen führe zu Verständnis und Nähe

Zugleich sagte der Bundespräsident, dass Flucht und Vertreibung stets auch das Leben der "Aufnehmenden" oder "alten" Bewohner verändere. Offenheit für das Leid der Anderen führe zu Verständnis und Nähe. Das sei auch bei der Aufnahme von Flüchtlingen heute entscheidend, appellierte Gauck. Deutschland habe viel positive Erfahrung mit Flüchtlingen und Vertriebenen, auf die jedoch im öffentlichen Diskurs viel zu selten zurückgegriffen werde.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) warnte davor, das Schicksal der Opfer von Flucht und Vertreibung - "in welcher Weise auch immer" - politisch zu instrumentalisieren. Diese Lehre müsse aus den Erfahrungen mit den deutschen Vertriebenen gezogen werden. Der Umgang mit diesen Opfern und deren Leid sei in den Nachkriegsjahren vielen schwer gefallen, da die Flucht auch die Folge des zuvor von Deutschen über Europa gebrachten Unrechts gewesen sei.

Ab 2015 wird jährlich am 20. Juni der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht

Auch wenn die Situation der Flüchtlinge von heute "grundsätzlich anders" sei, lägen die Einzelschicksale womöglich nicht so weit auseinander, bekräftigte der Minister. Die Betroffenen teilten das Gefühl von Entwurzelung, Angst um das eigene Leben und das Leben der Kinder, Hunger oder die Erfahrungen von Gewalt. "Wir arbeiten hart daran, neue Wege zu finden, aber einfache Lösungen wird es nicht geben", sagte de Maiziere mit Blick auf die weltweite Flüchtlingskrise.

Die Bundesregierung hatte am 27. August 2014 beschlossen, dass ab 2015 jährlich am 20. Juni der Opfer von Flucht und Vertreibung gedacht werden soll. Der Gedenktag fällt damit auf den jährlichen Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im Mai beim Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen daran erinnert, dass die Schicksale, die Millionen Deutsche durch Flucht und Vertreibung im Zweiten Weltkrieg erlitten hätten, bis heute Mahnung und Auftrag seien. Für das Gestalten einer gemeinsame Zukunft Deutschland sei es wichtig, dass die Geschichte nicht vergessen werde und dass es nie wieder zu solchen Gräueltaten komme. (KNA)

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