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Gegen Populismus in der Asyldebatte

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Berlin - Der Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) hat sich gegen pauschale Verdächtigungen in der Asyldebatte gewandt. Gleichzeitig forderte der JRS-Direktor für Deutschland, Pater Frido Pflüger, einen freundlicheren Umgang mit Flüchtlingen. Die Zahl der Asylanträge sei im weltweiten Vergleich minimal, sagte er am Mittwoch vor Journalisten in Berlin.

Laut Pflüger ist der Vorwurf des Asylmissbrauchs gegenüber den Flüchtlingen aus Serbien und Mazedonien vollkommen unangebracht. Populistische Unterstellungen verstärkten rechtsextreme Tendenzen, sagte er unter Berufung auf die am Montag vorgestellte Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. "Krachmacher, die durch jeden Flüchtling ihr Kulturgut in Gefahr sehen, vergessen, dass sie mit ihren inhumanen Aktionen unser christliches Kulturgut erst recht gefährden", so der Jesuit. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte Ende Oktober als Reaktion auf gestiegene Asylbewerberzahlen aus Serbien und Mazedonien schärfere Regelungen gegen Asylmissbrauch gefordert.

Kein Asyl-Problem

Die rund 50.000 laufenden Asylanträge im laufenden Jahr stellten Deutschland nicht vor Probleme, betonte Pflüger. Die meisten der 42 Millionen Flüchtlinge würden von weitaus ärmeren Staaten aufgenommen. "Die Zahl der Asylanträge, die bei uns für große Aufregung sorgt, ist für afrikanische Verhältnisse minimal", so der Ordensmann, der zuvor in Ostafrika tätig war.

Traumatisierte und Kinder gehören nicht ins Gefängnis.

Frido Pflüger

Pflüger äußerte Verständnis für die seit rund drei Wochen demonstrierenden Flüchtlinge vor dem Brandenburger Tor. Er verstehe jedoch nicht, dass der Polizei angeordnet werde, ihnen Decken wegzunehmen, anstatt sie zu verteilen, sagte der JRS-Direktor. Die Flüchtlinge wollen durch ihren Protest unter anderem bessere Lebensbedingungen und ein Ende des Arbeitsverbots erreichen.

Zweifel an "Dublin II"

Die Hilfsorganisation zeigte sich beunruhigt über die Zahl der Menschen, die wegen der innereuropäischen Asyl-Regelung "Dublin II" inhaftiert werden, um aus Deutschland in ein anderes EU-Land zurückgeschoben zu werden. Von den Abschiebehäftlingen in München und Eisenhüttenstadt, sagten 70 bis 80 Prozent der vom JRS betreuten Menschen aus, dass sie in ein anderes EU-Land zurückgeschoben werden sollen, berichtete der Seelsorger Ludger Hillebrand. Flüchtlinge, über deren Asylverfahren zum Teil noch nicht einmal entschieden wurde, Traumatisierte und Kinder, gehören nicht ins Gefängnis, kritisierte der Jesuit. (luk)

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