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"Genugtuung liegt im Einsatz"

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Ein junger Mann ist mit einer jungen Frau unterwegs, die im Rollstuhl sitzt.
Berlin - "Willst Du froh und glücklich leben, lass kein Ehrenamt dir geben!", dichtete einst augenzwinkernd Wilhelm Busch und verweist darauf, dass die "Ehre" gegenüber dem "Amt" häufig zu kurz komme. Für Bodo Rathsburg, Lisbeth Blickle, Alexandros Efstathiou oder Yüksel Öznarin gilt das heute nicht. Gemeinsam mit 57 weiteren engagierten Menschen haben Sie einen Termin im Schloss Bellevue: Bundespräsident Joachim Gauck lädt zum Neujahrsempfang.

So unterschiedlich die Namen, so vielseitig das Engagement der Gäste. Während Alexandros Efstathiou Kinder in Not unterstützt und Lisbeth Blickle sich für den interreligiösen Dialog einsetzt, tut der 77-jährige Frankfurter Bodo Rathsburg vor allem eines: gehen. Und das nicht eben um die Ecke zum Supermarkt, sondern seit seinem zwanzigsten Lebensjahr im Schnitt rund zehn Kilometer am Tag, wie er im Gespräch mit Welt Online erzählt. Hochgerechnet kommt er damit auf 208.050 Kilometer Strecke, die er in Benefizläufen auf 24 Stunden- oder 100 km-Strecken erlaufen hat.

Einen ganz anderen Weg gehen Maren und Herbert Bösch. Seit 1965 sind sie jeden Sommer für die Jugendlichen im Zeltlager Behrensdorf an der Ostsee da. Er in der Küche, sie im Bastelzelt. Und haben dabei von der Flower Power-Zeit, über die "No Future"-Jugend bis zur Social Media-Generation so einiges an Jugendkultur mitbekommen. Auf eine noch längere Karriere blickt Walter Glöckner zurück. Sage und schreibe 69 Jahre ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatort Hainichen OT Eulendorf, mehr als fünf Jahrzehnte Vorsitzender im örtlichen Fußballverein.

Begonnen hat der Sachse in einer Zeit, in der das Ehrenamt kaum institutionalisiert und etabliert war. So lag der Anteil der freiwillig Engagierten zu Beginn der 50er Jahre bei acht Prozent, heute sind laut einer Studie des Allensbach Instituts 28 Prozent aller Deutschen in irgendeiner Form ehrenamtlich beschäftigt. Dabei ist der typische "Ehrenamtler" zwischen 50 und 60 Jahren, gebildet, gut situiert und häufig konfessionell gebunden. Gehört doch die Kirche nach wie vor zu einem der größten Tätigkeitsfelder für Ehrenamtliche.

Bundespräsident Gauck unterhält sich mit einer Besucherin auf Schloss Bellevue.

Unverzichtbare Arbeit

Dass die Arbeit der Freiwilligen für die Gesellschaft nicht nur wichtig, sondern immer unverzichtbarer wird, betonen Politiker, wie Innenminister Hans-Peter Friedrich oder Bundespräsident Gauck in regelmäßigen Abständen. Letzterer forderte kürzlich bei der Verleihung von Verdienstorden an Ehrenamtliche bessere staatliche Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement. Die Bundesregierung plant zudem eine Erhöhung der Ehrenamtspauschale von derzeit 500 auf 720 Euro.

Die Gesetzesvorlage wird auch kritisch beurteilt. So warnt der Deutsche Kulturrat vor einer Instrumentalisierung des freiwilligen Engagements. Es entstehe der Eindruck, dass das Ehrenamt gestärkt werden solle, um finanzielle Lücken zu schließen. Ehrenamtliche dürften jedoch keine Erfüllungsgehilfen sein, wo staatlicher Leistungen ausfallen.

Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sprach sich zuletzt dagegen aus, immer mehr hauptamtliche Mitarbeiter durch ehrenamtliche zu ersetzen. Das dürfe nicht Zweck des Ehrenamts sein, vielmehr solle es Menschen vor allem Freude machen.

Dass es den Freiwilligen genau darum geht, zeigt der Deutsche Freiwilligensurvey, der im Auftrag der Bundesregierung Daten zum bürgerschaftlichen Engagement erhebt. Nach ihrer Motivation gefragt, nannten die Befragten überwiegend Spaß an der Tätigkeit, gefolgt von dem Bedürfnis, sich für andere Menschen und das Gemeinwohl zu engagieren. Der Wunsch nach Anerkennung, die Wilhelm Busch so vermisst, landete übrigens auf den hinteren Rängen.

Betrachtet man also das freiwillige Engagement in diesen Zeiten und die derzeit rund zwölf Millionen Bodos, Lisbeths und Alexandros in Deutschland, kann man statt Busch getrost Gandhi zitieren: „Genugtuung liegt im Einsatz, nicht im Erreichen. Ganzer Einsatz ist ganzer Erfolg.“

Von Janina Mogendorf

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