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"Global Trends 2030": US-Geheimdienststudie prophezeit zunehmende Bedeutung der Religionen.

Global Player Gott

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Bonn - Mehr Drogen für alle? Könnte Karl Marx die neue Studie des amerikanischen Geheimdienstrates lesen – die Haare stünden ihm zu Berge. Für ihn war Religion eine Droge: "Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks." Die Überwindung der Religion, glaubte Marx, bedeute historischen Fortschritt. Doch die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Was die Experten von CIA und anderen Organisationen nun publizieren, ist ein Schlag ins Gesicht aller Propheten der Säkularisierung. Demnach wird, auch im Jahr 2030, Gott ein mächtiger Global Player sein. Die Religionen werden ihren Einfluss ausdehnen – allen voran der Islam. Allah kommt – und die Welt wird eine andere sein.

Politische Einheiten in Gefahr

Die US-Fachleute zeichnen eine erheblich veränderte politische, ökonomische und kulturelle Landkarte. Besonders in Afrika: Die "Global Trends 2030" zeigen das Bild eines Kontinents mit zunehmenden gewaltsamen Konflikten. Unzufrieden mit Ökonomie und Politik, wenden sich immer mehr Menschen vom Staat ab. Ethnische und religiöse Differenzen bringen jede politische Einheit in Gefahr. Die afrikanischen "failed states" sind sichere Rückzugsgebiete für regional und global operierende politische und religiöse Extremisten – und für transnationale kriminelle Netzwerke.

In Nordafrika, aber auch in der Golfregion und in weiten Teilen Mittel- und Ost-Asiens spielen religiöse Orientierungen eine wachsende Rolle. Auch wenn Al Kaida an Macht verliert: Anschläge gibt es weiterhin. Und der Luxus der Golfstaaten geht unter im Bombenterror islamistischer Dschihadisten.

Religionen verändern sich

All das ist nicht wirklich überraschend. Neu ist, was die Zukunftsforscher über die Konsequenzen aus diesen regionalen Veränderungen sagen. Der entscheidende globale Trend ist: Religion wird zum politischen Schlüsselfaktor. "Religiöse Ideen, Akteure und Institutionen werden die Eliten und die Öffentlichkeit weltweit immer stärker beeinflussen", lautet der zentrale Satz der Studie. Ist das nun der "Kampf der Kulturen"?

Wohl kaum: Die Forscher glauben eher an eine Transformation der politischen Kommunikation. Angedeutet hat sie sich schon in den Rebellionen des "Arabischen Frühlings". Religiöse Organisationen nehmen verstärkt Einfluss auf die politische Willensbildung – und widerlegen den im vermeintlich aufgeklärten Westen immer noch geltenden Glauben an die zunehmende Säkularisierung der Geschichte. Wer in Zukunft Unterstützung für seine politischen Interessen sucht, muss diese auch als religiöse Ziele beschreiben können.

Zugleich verändern sich auch die Religionen: Nicht zuletzt durch das Internet und die Sozialen Medien stellen sie sich dem Wettbewerb um die Köpfe und Seelen der Menschen. Benedikt XVI. ist sicher nicht der letzte Papst, der twittert. Die Zukunft ändert sich. 2030 wird weiterhin vieles ohne Religion möglich sein – doch immer weniger gegen die Religionen. Gott wird Global Player. Schwere Zeiten für Laizisten!

Von Hans-Joachim Neubauer

Global Trends 2030

Die Studie im Wortlauf (englisch):

Global Trends 2030
Zur Person

Hans-Joachim Neubauer ist Redakteur der Beilage "Christ __amp__ Welt" in der Wochenzeitung "Die Zeit" sowie habilitierter Literaturwissenschaftler und Honorarprofessor an der Filmhochschule Potsdam-Babelsberg.

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