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Auf diese Weise entstünden kleine Zellen gelebter Nähe

Gössl an Gläubige: Folgt dem Vorbild Jesu und begebt euch in Notlage

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Der neue Erzbischof von Bamberg, Herwig Gössl
Augsburg/Bamberg - Dem Vorbild Jesu folgen – wie geht das? Bambergs Erzbischof Herwig Gössl hat den Gläubigen aus Anlass von Fronleichnam dazu einen Rat gegeben. Sein Augsburger Mitbruder Bertram Meier nutzte das Hochfest derweil für einen politischen Appell.

Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl hat die Gläubigen an Fronleichnam dazu aufgerufen, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Jede und jeder solle dem Vorbild Jesu folgen und sich selbst in die Not seines Nächsten hineinbegeben, sagte Gössl nach Angaben seiner Pressestelle am Donnerstag. "Gebt von dem, was ihr seid! Gebt euch selbst hinein in diese Notlage!" Auf diese Weise entstünden kleine Zellen gelebter Nähe und gegenseitiger Achtung, "in denen man sich gegenseitig im Blick hat", und mit denen man zum Gelingen der großen Gemeinschaft beitragen könne.

Das Fronleichnamsfest ist Gössl zufolge ein Auftrag, dem Unfrieden auf der Welt nicht mit Rückzug und Resignation zu begegnen, sondern mit einer aus dem Glauben heraus gestärkten Nächstenliebe. "Wir sehen in den Nachrichten beinahe täglich Bilder von Verzweiflung, Wut und Hass", sagte der Erzbischof. Es seien friedlose und trostlose Bilder, die die Sehnsucht nach Verständigung unter den Konfliktparteien und nach Beruhigung der erhitzten Gemüter wachsen ließen. Wichtigste Voraussetzung für eine Annäherung sei es, "dass man einander in die Augen schaut und wahrnimmt, was den anderen bewegt", so Gössl weiter. Es sei wichtig, dass man sich als einzelner Mensch nicht einer anonymen Masse gegenübersehe, sondern dass man sich als Teil einer Gemeinschaft verstehen könne, "in der man sich gegenseitig mit seinen Erwartungen, Hoffnungen und Ängsten erkennt".

Bischof Meier sprach gegen rechtsextreme Umtriebe

Dabei gehe es um mehr als symbolisches Handeln. Das Fronleichnamsfest verdeutliche, dass Gott durch die Eucharistie im Leben der Menschen einen Anker der Hoffnung geworfen habe, ergänzte der Erzbischof: "Er hat sich in unserem Leben festgemacht, damit wir bei all dem Traurigen und Schrecklichen, das uns umgibt, nicht verzweifeln, sondern mutig und von innen gestärkt immer wieder aufbrechen und in die Zukunft gehen."

Augsburgs Bischof Bertram Meier sprach sich derweil gegen rechtsextreme Umtriebe aus. "Die Irrwege, die unser Volk vor knapp hundert Jahren gegangen ist, dürfen sich nicht wiederholen", sagte Meier laut Manuskript an Fronleichnam im Augsburger Dom. "Wir wollen solche Wege nicht gehen. Sie schaden unserer Stadt, sie schaden unserem Land, sie schaden Europa." Meier appellierte an die Gläubigen: "Erteilen Sie Gruppierungen eine Absage, die menschenverachtende, demokratiefeindliche und völkisch-nationalistische Ideen fördern wollen. Gerade aus unserer Geschichte können wir lernen, wie ein Volk, das einem Menschen Heil zurief, sich selbst und die Welt ins Unheil brüllte."

Im Hinblick auf die zum Fest Fronleichnam abgehaltenen katholischen Prozessionen erklärte der Bischof: "Bei den üblich gewordenen Demonstrationen zeigt man sich auf der Straße, um etwas zu fordern. Wir tun etwas anderes. Unsere Demonstration setzt nicht auf geballte Fäuste, sondern auf gefaltete Hände. Wenn wir heute auf die Straße gehen, wollen wir uns nicht selbst präsentieren, sondern wir zeigen den Herrn, den Allerheiligsten."

An Fronleichnam finden traditionell große Prozessionen statt.

Weiter sagte Meier: "Ist eine Fronleichnamsprozession nicht auch eine Provokation?" Solche Stimmen kämen immer wieder auf. Allein: "Jesus hat sich nicht eingeschlossen, er ist hinausgegangen. Jesus hat sich gezeigt im öffentlichen Leben. Und genau das tun wir heute. Wir Christen zeigen uns, um öffentlich Jesus Christus zu präsentieren. So gesehen ist die Fronleichnamsprozession eine echte Provokation." Provocare heiße hervorrufen, herausrufen. Fronleichnamsprozessionen sollten die Menschen aus ihrer Reserve locken, aus ihrer Gleichgültigkeit und Unwissenheit.

Auf dem Münchner Marienplatz feierten den Angaben zufolge mehr als 10.000 Gläubige mit Kardinal Reinhard Marx Gottesdienst. In seiner Predigt sprach er aufgrund der Nachrichten von Leid, Krieg und Gewalt von einem "Zivilisationsrückschritt ungeheuerlichen Maßes". Es dürfe nicht geschehen, dass "wir in den westlichen Nationen uns einmauern, und die Armen müssen draußen bleiben. Da waren wir schon mal weiter." Dennoch sei er kein Pessimist und setze darauf, dass die Menschen sich besinnen könnten, eine "Menschheitsfamilie" zu sein.

Diese Hoffnung sei keine diffuse auf irgendeinen Gott in der Ferne, sondern auf eine Person, betonte Marx. "Gott ist konkret geworden, als Mensch und im Brot." Am Tisch der Eucharistie empfingen Christinnen und Christen mit dem Leib Christi auch die Hoffnung, und deshalb gehe es beim täglich Brot, um das im "Vater Unser" gebetet werde, nicht nur um das Brot für den Leib, sondern um die Hoffnung. Das gemeinsame Mahl ist seiner Ansicht nach ein deutlicher Auftrag, jeden und jede als Teil einer Menschheitsfamilie zu sehen und auch so zu behandeln. In der Kirche dürfe es "nicht heißen: Church first! Wir sagen: Mensch first! Und dafür sind wir hier."

Verbundenheit und Frieden

Der Passauer Bischof Stefan Oster erinnerte daran, dass an Fronleichnam der Gegenwart Jesu in Brot und Wein gedacht werde: "Wir tragen das, was uns wichtig ist, hinaus in unsere Stadt und hoffen, dass wir mit ihm, der uns verbindet, den Himmel offenhalten." In einer immer stärker zerklüfteten Gesellschaft und einer Zeit der Kriege bräuchten die Menschen Verbundenheit und Frieden immer mehr.

In Würzburg ging Bischof Franz Jung auf den Wahlspruch von Papst Leo XIV. ein: "In diesem Einen sind wir eins". Dessen Anliegen sei es, die Einheit der Kirche zu wahren und das, was gespalten sei, zusammenzuführen. Diese Einheit werde nirgends besser erfahrbar als in der Feier der Eucharistie, so Jung.

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten begeht die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. An diesem Tag demonstrieren Katholiken öffentlich ihren Glauben. Dabei drücken sie die Überzeugung aus, dass Gott in Brot und Wein unter ihnen ist. Als sichtbares Zeichen wird eine gewandelte Hostie in einem Schaugefäß, einer Monstranz, durch die Straßen getragen. Der Name Fronleichnam bedeutet so viel wie "Hochfest des Leibes und Blutes Christi". (stz/mal/KNA)

26.6. 11.40 Uhr: Ergänzt um Marx, Oster und Jung.

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