"Gott lässt sich überall finden"
Frage: Frater Stübner, vom 05. bis 13. November beten die Jesuiten in Europa für Berufungen in den Orden. Sie laden nun Menschen ein, sich online zu beteiligen. Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Stübner: Wir laden dazu ein, sich auf http://novene.jesuiten.org für "Jesuiten über Jesus" anzumelden. Wer das tut, bekommt neunmal eine E-Mail mit der Einladung zum Gebet. Für jeden Tag hat ein Jesuit seine Lieblingsgeschichte mit Jesus aufgeschrieben und verrät, was ihm Jesus Christus persönlich bedeutet. Alles zusammen bildet eine Novene und greift damit die traditionelle Form des gemeinsamen, neuntägigen Gebets in einem besonderen Anliegen auf.
Frage: Das klingt nach einem eher ungewöhnlichen Weg, Menschen zum Gebet einzuladen.
Stübner: Das mag ein unerwarteter Weg sein. Gott wählt ja auch oft den unerwarteten Weg, um uns zu begegnen. Ich glaube aber auch, dass unser Platz zwischen der E-Mail eines guten Freundes, über die man sich freut, und der wichtigen Mail, auf die man schon lange gewartet hat, ein sehr guter Ort für ein Gebet ist. Und für Ignatius von Loyola, den Gründer der Jesuiten, war schon im 16. Jahrhundert klar, dass sich Gott immer und überall suchen und finden lässt.
Frage: Was tun sie im Team Berufungspastoral der Jesuiten sonst noch, um Männer für das Ordensleben zu begeistern?
Stübner: Wir sind ein Team von vier Jesuiten, die junge Menschen dabei begleiten wollen, gute Lebensentscheidungen zu treffen. Natürlich verschweigen wir dabei nicht, dass wir Jesuit werden für eine gute Lebensentscheidung halten. Wir glauben, dass unser Orden für junge Männer attraktiv ist, die gerne aus einer alltags- und bodennahen Spiritualität heraus leben und arbeiten wollen. Wir sind eine Gemeinschaft, die auch große Herausforderungen angehen möchte, und nehmen deswegen jeden einzelnen in den Blick. Persönlich erlebe ich den Orden als einen Lebensrahmen, der mir dabei hilft, immer mehr der zu werden, der ich vor Gott sein möchte.
Frage: Sie selbst sind seit 2010 Jesuit. Wie sah ihre ganz persönliche Berufungsgeschichte aus?
Stübner: Ich habe die Jesuiten schon vor meinem Abitur an meiner Schule als Männer, die Dinge miteinander verbinden können, die scheinbar nicht zusammen passen, kennengelernt. Ich erlebe die Jesuiten vor allem als Menschen, die leidenschaftlich Gott suchen und den Menschen dienen wollen. Und so ein Mensch, der Brücken über Gräben baut und zwischen unvereinbareren Welten übersetzt, wollte ich auch werden. Ich glaube, der Rest war dann die richtige Mischung aus dem Mut, es dann auch ganz konkret zu beginnen, und dem Vertrauen, dass man so einen Weg nicht allein geht.
Das Interview führte Christoph Meurer
Weitere Informationen und die Anmeldung zur Online-Noveme vom 5. bis 13. November gibt es auf der Website http://novene.jesuiten.org/
Lat. novem = "neun"; neun Tage dauerndes Gebet zur Vorbereitung auf ein Fest, ein kirchl. Ereignis oder für ein besonderes Anliegen der Gläubigen. Quelle: Manfred Becker-Huberti/Ulrich Lota | © Verlag Herder GmbH, Freiburg im Breisgau 2010