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Dorothea Sattler über Flüchtlinge und das Paradies

Grenzen

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Schachfigur
Bonn - Dorothea Sattler über Flüchtlinge und das Paradies

Das Gespräch über Grenzen ist immer der Rede wert. Geographische Grenzen auf der Landkarte sowie Grenzen der Belastbarkeit angesichts der "Zuwanderung" von Flüchtlingen sind im gesellschaftlichen Gespräch heute sehr präsent. Die innerhalb von Europa eigentlich seit langer Zeit offenen Grenzen werden wieder kontrolliert. Grenzzäune geraten in den Blick der Medien. Menschen harren dort aus – und niemand weiß eine angemessene Lösung.

In Deutschland hat der Wahlkampf begonnen – auf Landes- und hintergründig längst auch auf Bundesebene. Offenkundig ist es unvermeidlich, dass die Thematik der Grenzen die politische Debatte bestimmt. Die Ängste der Bevölkerung sind groß und wollen ernst genommen werden. Das ist gut so. Und zugleich erscheint mir dieses Thema unangemessen für ein polarisierendes Streitgespräch. Die Wirklichkeit ist viel komplexer als dies in notwendig vereinfachenden Reden im Wahl­kampf zum Ausdruck kommen kann. Jedes Gesicht von Kindern, Frauen und Männern hinter den Stacheldrähten ist einzig.

In der Bibel kommt der Grenzzaun gleich zu Beginn im Rahmen der Schöpfungserzählungen zur Sprache: Das von Gott am Anfang geschaffene Paradies ist ein umzäunter Garten, in dem die Menschen, Mann und Frau, eigentlich glücklich leben könnten. Ursprünglich hat nur Gott das Recht, den Zaun zu durchschreiten, zu kommen und zu gehen. Wäre der Mensch nicht misstrauisch geworden, hätte er sich an die von Gott gesetzten Grenzen gehalten, wäre Platz gewesen für alle Lebewesen. Heute leben wir jenseits der Grenzen des Paradieses. Im Streit um den Lebensraum bedarf es politischer Strategien.

Wie eine "Wanderung" ist die gefährliche Flucht aus Kriegs- und Hungergebieten hinter die Grenzen von Ländern, in denen das Leben nicht mehr bedroht ist, gewiss nicht. Es gibt so viele Menschen, die hinter den Landesgrenzen die Grenzen ihres Herzens geöffnet haben, Menschen Obdach anbieten, sie herzlich willkommen heißen und mit ihnen die Sprachbarrieren überwinden. Von ihnen könnten die Tagesnachrichten mehr erzählen.

Hinweis

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