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Neuer Band zum 80. Geburtstag

"Heiliger" Lucky Luke – Der Westernheld als unfreiwilliger Messias

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Berlin - Zum 80. Geburtstag der Comicreihe muss sich Kult-Westernheld Lucky Luke gegen überzogene Heilserwartungen wehren. Die Autoren nehmen aufs Korn, wie Religion missbraucht werden kann.

Da ist man zur falschen Zeit am falschen Ort, rettet einen korrupten Pastor vor einem Raubüberfall und wird dadurch versehentlich zur Lichtgestalt einer neuen Religion: So ergeht es dem Titelhelden im neuen Lucky-Luke-Band "Heiliger Lucky", der am 3. November erscheint. Eigentlich hatte der Cowboy nur eine Unterkunft für die Nacht gesucht. Dabei verschlägt es ihn aber in das beschauliche Örtchen Faith, wo die Ereignisse ihm schnell über den Kopf wachsen.

Im Jubiläumsband zum 80. Geburtstag der Reihe setzen die Autoren auf aktuelle Themen. Hinter ihren Späßen scheint immer wieder ein ernster Hintergrund auf: Wie verbreiten sich problematische religiöse Heilsversprechen? Und wer profitiert davon?

Vom Cowboy zum Messias

Schon am Tag nach seiner Heldentat wird Lucky als Heiliger gefeiert und besungen. Dahinter steckt Pastor Watine, der in dem Cowboy die ideale Galionsfigur für eine neue Kirche sieht. "Mit Ihren Fähigkeiten und meinem Organisationstalent wird unsere Kirche reich! Die reichste in ganz Kansas!", schwärmt er. Da sucht Lucky lieber das Weite.

Doch im Nachbarort Beliefs Junction hat sich dank der modernen Telegrafentechnik längst herumgesprochen, was geschehen ist. Der Apotheker, Chemiker und Hotelbesitzer Colson Creed wittert ebenfalls ein Geschäft. Vorsorglich bewahrt er Luckys Badewasser als mögliche Reliquie auf. Als Lucky die Bewohner vor einer Heuschreckenplage rettet – eine Referenz an eine historisch verbürgte Naturkatastrophe von 1874 – wächst der Kult weiter. Kleidung und Badewasser landen im Schrein, die Menschen verehren ihn als Wundertäter.

Schießt schneller als sein Schatten: Lucky Luke auf seinem Pferd Jolly Jumper.

Grundidee und einzelne Szenen erinnern sicher gewollt an Monty Pythons Kult-Film "Das Leben des Brian". Auch dort wird ein Mann gegen seinen Willen zum Messias verklärt. Als die Leute in Lucky einen Hirten für die verirrten Schäflein erkennen wollen, wehrt dieser mit der Bemerkung ab, er sei Cowboy. Worauf die Leute zu seiner Rinderherde werden wollen.

Anspielungen auf Corona

Eine Pockenepidemie zwingt ihn schließlich zur Rückkehr nach Faith, während zugleich ein Stamm von Ureinwohnern auf seine Heilkünste hofft. Tatsächlich organisiert Lucky eine Impfkampagne und hilft so, die Krankheit einzudämmen. Doch auch das festigt seinen Ruf als wundersamer Retter. Erst mit einer List seines Pferdes gelingt ihm die Flucht.

Pockenepidemie und Impfkampagne wecken Erinnerungen an die Corona-Pandemie. Mit dem Unterschied, dass die Krankheit im Comic bewusst als Waffe eingesetzt wird: Der korrupte Apotheker will die Ureinwohner von ihrem Land vertreiben und selbst davon profitieren. Das lässt sich als Verweis auf tatsächliche Kapitel der amerikanischen Kolonialgeschichte lesen.

Was im Wilden Westen per Telegraf verbreitet wird – "Tratsch, Gerüchte, Verschwörungstheorien" – erinnert an die Dynamik sozialer Medien: Damit eine Geschichte viele Menschen erreicht, muss sie nicht wahr sein. Fake News verbreiten sich auch so.

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Von Luckys angeblicher Heiligkeit profitieren im Comic vor allem diejenigen, die daraus politischen Einfluss oder wirtschaftlichen Gewinn ziehen wollen. Damit nimmt der Band nicht die Inhalte einer bestimmten Religion oder eines Glaubens aufs Korn, sondern kritisiert jene, die Religion generell für ihre Zwecke instrumentalisieren.

Zwar werden auch konkrete Praktiken wie die Verehrung von Reliquien aufgegriffen und überzeichnet dargestellt. Aber auch das lässt sich eher als Kritik an denjenigen lesen, die sich daran bereichern.

Und was glaubt Lucky Luke?

Am Ende fragt Lucky sich, ob der religiöse Wahn nicht im Grunde die gefährlichste aller Epidemien ist. Und hofft, dass sich in den USA in Zukunft niemand mehr für "so einen Humbug" interessieren wird.

Dabei beschränkt sich die Religionssatire nicht auf diesen einen Gedanken. Noch viele andere Anspielungen lassen sich in "Heiliger Lucky" finden – vom fast schon weihnachtlichen Erwachen in einem Stall zwischen Ochs und Esel bis zum letzten Abendmahl.

Die Gretchenfrage selbst lässt der Titelheld aber unbeantwortet. In einem Casino wird er gefragt, ob er gläubig sei. Er setzt an mit der Antwort "Ich glaube ..." Doch dann überstürzen sich die Ereignisse und Lucky kann kein Bekenntnis mehr formulieren, sondern eilt lieber einem Mitmenschen zu Hilfe.

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