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Kurt Gerhardt über luxuriöse Lebensweisen

Hohl und leblos

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Schachfigur
Bonn - Kurt Gerhardt über luxuriöse Lebensweisen

Eine Armbanduhr für 43.000 Euro - und weitere Exemplare, die allerdings nur zwanzig- oder dreißigtausend kosten. Dafür wird geworben in einer Illustrierten, die einer der großen deutschen Tageszeitungen beigelegt ist. Alles, was darin angeboten wird - Mode, Schmuck, Möbel -, zielt offensichtlich auf die Wünsche reicher Leute.

Nun soll man, zumal als Kölner (wie der Schreiber), "jünne künne", also anderen ihren Wohlstand gönnen können. Aber irgendwie hat bei mir in diesem Fall das Gönnen ausgesetzt. Vierzigtausend für eine Armbanduhr empfinde ich als unanständig, ja, fast als Frechheit. Das hat mit Neid nichts zu tun, sondern mit Grenzverletzung. Man muss bei aller Not in der Welt nicht selbst in Sack und Asche gehen. Aber den eigenen Wohlstand im Verhältnis zu den Armen dieser Welt sehen, das darf man schon. Und bei Leuten mit Herz und Verstand wird daraus oft geteilter Wohlstand entstehen; so geschieht das ja auch. Reiche Leute tun immens viel Gutes.

Aber darum geht es hier nicht - sondern um Lebensart und Stil, um einen Blick fürs Ganze. Denn wer sich umstandslos so ein sündhaft teures Teil zulegt, zeigt damit auch, dass er in gewissem Maße das Gespür für die weite Welt verloren hat, dass er in einem sehr kleinen Raum lebt, in dem der Blick nur von sich selbst bis zur eigenen Haustür reicht.

Dass eine solche Lebensweise trist ist, darauf weist etwas hin, auf das man in diesem Luxus-Heft auch stößt. Man sollte erwarten, dass die Models, die auf vielen Seiten besonders teure Mode präsentieren, bei all dem Luxus heiter und gutgelaunt dreinschauen. Das tun sie in der Regel aber nicht, sondern sie sehen auffallend oft gelangweilt aus, geradezu angeödet. Die Modefirmen wissen natürlich, was sie tun. Offenbar haben sie die Erfahrung gemacht, dass sie die reiche Oberschicht mit solch hohlen und leblosen Gesichtern besonders gut anzusprechen können. Furchterregend!

Wie beruhigend ist da das Wissen, dass gerade in diesen Tagen unzählige Menschen auf der ganzen Welt wahres Glück bei einem Kind finden, das vor 2.000 Jahren unter den Ärmsten der Armen geboren wurde.

Hinweis

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