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Erzbischof Robert Zollitsch über die deutsche Familienpolitik

"Humankapital" ist das falsche Stichwort

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Robert Zollitsch, Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz
Berlin - Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat vor einer "Verzweckung und Funktionalisierung" der Familienpolitik gewarnt. Eine Politik, die primär an der "Marktfähigkeit" des Menschen und am "Humankapital" der Familien interessiert sei, werde den eigentlichen familiären Belangen nicht gerecht, sagte Zollitsch am Donnerstagabend in Berlin.

Zollitsch äußerte sich beim Jahresempfang des Deutschen Caritasverbandes. Er betonte, Familien bräuchten Handlungsräume, damit sie sich in unterschiedlichen Lebensphasen möglichst frei entscheiden könnten.

Zwischen verschiedenen Familienmodellen wählen

Dazu gehöre auch, Eltern unabhängig vom Kita-Ausbau in ihrem Erziehungsauftrag zu stärken und sie zwischen unterschiedlichen Familienmodellen wählen zu lassen. Es sei deshalb plausibel, sowohl eine finanzielle Anschlussleistung an das Elterngeld als auch einen Anspruch auf Kindertagesbetreuung zu gewähren, sagte der Erzbischof.

Zugleich plädierte Zollitsch für die Beibehaltung des Ehegattensplittings. Es diene der Steuergerechtigkeit und schütze die Ehe als Erwerbs- und Verbrauchsgemeinschaft in besonderer Weise. Es dürfe auch bei einer möglichen Ausweitung in ein Familiensplitting in seinem Bestand nicht gefährdet werden, so der Erzbischof.

Merkel: Kinder dürfen keine Störfaktoren sein

Eine familienfreundlichere Grundstimmung in Deutschland forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Kinder dürfen keine Störfaktoren sein", sagte sie und mahnte, der Staat könne Familie nie ersetzen und als Keimzelle der Gesellschaft müssten Eltern und Kinder jede notwendige Unterstützung erhalten.

Caritas-Präsident Peter Neher plädierte für eine übergreifende Familienpolitik. Entscheidungen in der Steuer- und Rentenpolitik sowie in der Wohnungs-, Arbeitsmarkt- und Gesundheitspolitik müssten das Kriterium der Familientauglichkeit erfüllen. Allerdings sei nicht nur die Politik gefragt. "Wir brauchen Arbeitgeber, die Teilzeitarbeitsplätze nicht als Karriere-Ende ansehen und eine Kinderbetreuung, die den Wunsch nach Familie und Beruf unterstützt."

Neher: Blick auf Familie erneuern

Die gesamte Gesellschaft müsse ihren Blick auf Familie erneuern, nahm Neher auch die Bürger in die Pflicht. "Dabei denke ich an einen Abschied vom Anspruch an ein perfektes Umfeld; an die wachsende Einsicht, dass arbeitende Mütter und Väter zugleich gute Erzieherinnen und Erzieher für ihre kleinen Kinder sein können“, so der Caritas-Chef.

Der Jahresempfang des Deutschen Caritasverbandes fand im Rahmen des 3. Caritaskongresses statt. Neben den Kongressteilnehmern kamen Bundespolitiker wie Phillip Rösler (FDP), Gregor Gysi (Die Linke) und Volker Beck (Grüne) zu dem Empfang im Berliner Congress Centrum. (mog/KNA/caritas)

Live: Caritas-Talk "Familienpolitik im Dialog"

Wie können Familien bei der Bewältigung ihrer Aufgaben am besten unterstützt werden? Diese Frage diskutieren die Bundestagesabgeordneten Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU) und Katja Dörner (Bündnis 90/Die Grünen), der Wissenschaftler Ronald Lutz und Caritas-Präsident Peter Neher während des Caritaskongresses in Berlin. Die Talkrunde findet am Freitag, 19. April von 9.15 bis 10.45 Uhr statt. Die Zuschauer können sich über das Internet in die Diskussion einbringen und bereits im Vorfeld Fragen stellen. Die Kommentare werden von einem "Anwalt der Zuschauer" in die Diskussion eingebracht. Beteiligen Sie sich unter caritas.de/polittalkund sehen Sie den Livestream auf den Seiten der Caritas oder in unserem Livestream. (gho/caritas)

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