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Martin Rothweiler über Forschung an Embryonen

Ich definiere neu, was Mensch ist

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Schachfigur
Bonn - Martin Rothweiler über Forschung an Embryonen

Wie die internationale Wissenschaftszeitschrift "Nature" vor wenigen Tagen berichtete, wurden an der Oregon Health & Science University (OHSU) in Portland/USA menschliche Embryonen im Einzelstadium gezielt genetisch manipuliert, einige Tage am Leben erhalten und dann vernichtet. Damit wurde mit einer noch jungen Methode, der sogenannten Genschere namens CRISPR-Cas9, die einfach zu kopieren sein soll, erstmals defektes Erbgut korrigiert, wie es heißt.

Derlei Nachrichten werden hierzulande eher beiläufig zur Kenntnis genommen. Aufregung kaum zu spüren. Bei Genmanipulation von Nahrungsmitteln ist es anders und die Betroffenheit groß. Beim Menschen selbst erscheint die Genmanipulation indes vorwiegend im Gewande der Heilung von Krankheiten, also als guter Zweck, der die Mittel heiligt, selbst die Produktion und Tötung von Menschen. Gewiss, nach deutschen Recht ist die verbrauchende Embryonenforschung nach wie vor verboten und der Europäische Gerichtshof  hatte im Oktober 2011 geurteilt, dass jede befruchtete menschliche Eizelle als menschlicher Embryo anzusehen ist. Und das ist gut so, denn kein noch so guter Zweck darf das unverfügbare Menschenrecht auf Leben und die Menschenwürde vom Moment der Empfängnis an unterminieren.

Der internationale Wettlauf um erfolgreiche Genmanipulation an menschlichen Embryonen geht dessen ungeachtet weiter. Und es wäre naiv zu glauben, dass dies uns in einer im Wissenschaftsbereich global vernetzten Welt nichts anginge. Die einstmals fern scheinende Vision, einzelne Menschen schon bei der Zeugung  mit bestimmten genetischen Merkmalen auszustatten, rückt in immer greifbarere Nähe. Das "Designerbaby", die "Kreation" eines Menschen nach eigenen Vorstellungen ist so utopisch nicht.

Dies gilt gerade dann, wenn derlei wissenschaftliche "Erfolge" auf eine Kultur treffen, die den Menschen als völlig autonomes Wesen begreift, das sich im illusorischen Streben nach absoluter Freiheit - bis hin zur Befreiung von der eigenen Natur - selbst immer wieder neu definieren kann. Ich definiere meine Geschlechtszugehörigkeit neu. Ich definiere neu, was eine Ehe ist - dann brauche ich das Grundgesetz dem Wortlaut nach nicht verändern. Ich definiere neu, was zu den Grundrechten des Menschen gehört: vielleicht nicht nur das "Recht auf Abtreibung", sondern auch das "Recht auf ein Kind", das Recht auf einen anderen Menschen, wenn ich ihn zudem noch nach meinen Wünschen "produzieren" und gestalten kann? Vielleicht definiere ich überhaupt neu, was der Mensch ist. Ein Menschenleben als Ware? Absurde Gedankenspiele? Nein, schlicht ein Innehalten und Nachdenken über mögliche radikale Konsequenzen, die eine "Kultur der Aussonderung und des Wegwerfens" weiter befördern, vor der Papst Franziskus immer wieder eindringlich warnt. Wir brauchen dringend ein wachsendes Bewusstsein für die Unverfügbarkeit des menschlichen Lebens von Anfang bis zum Ende, eine neue "Willkommenskultur für das Leben".

In  diesen Tagen gehen junge Menschen ermutigt von einem Grußwort des Papstes auf  einer "Pro Life Tour" zwei Wochen lang  zu Fuß von Graz nach Wien. Am 16. September findet zum 13. Mal der "Marsch für das Leben" in Berlin statt. Beides Hoffnungszeichen, dass sich gerade bei jungen Menschen etwas bewegt in Richtung "Willkommenskultur für das Leben".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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