Im direkten Miteinander entstehen Geschichten, die verbinden
In den letzten Tagen fand mit der SPIEL Essen 2026 die weltweit größte Publikumsmesse für Brettspiele statt. Sie vereint Fans und internationale Aussteller und stellt das Spielen selbst in den Mittelpunkt. Als Marktplatz, Testlabor und Kulturfestival ist sie das zentrale Ereignis der weltweiten Brettspielszene. Rund 230.000 Besucher:innen nutzten die Chance für dies einzigartige Spiel-Erlebnis. Deutschlandweit gibt es schätzungsweise 500 Brettspielvereine, -clubs und regelmäßige Spieletreffs, nicht eingerechnet Stammtische in Kneipen oder kirchliche Spieletreffs.
Was fasziniert daran? Im Gegensatz zu digitalen Spielen schaffen Brettspiele eine analoge Auszeit und Brücke zwischen Menschen. In der Face-to-Face-Interaktion und im gemeinsamen Erleben werden Geschichten erzeugt, die verbinden. Menschen aller Generationen und unterschiedlicher Herkunft sitzen miteinander an einem Tisch und wirken gegen Einsamkeit. Feste Regeln schaffen eine klare Struktur in der strategisch geplant, Risiken eingegangen, Konsequenzen eigenen Handelns ausgetestet und Alltagskommunikation eingeübt werden. Spielerisch werden soziale Bindungen gestärkt, Machtstrukturen reproduziert, wird kulturelle Identität gefördert oder kann Widerstand gegen Normen erprobt werden.
Neuere Spiele greifen aktuelle Themen direkt auf; sie vermitteln realitätsnah gesellschaftliche Prozesse – von Fake News bis hin zu Extremismusphänomenen. Demokratiefähigkeit, Perspektivwechsel und soziale Kompetenz werden gefördert. Für gesellschaftliche wie kirchliche Bildung bedeutet das: Spielerische Formate können Dialog und Bildungsprozesse wirksamer machen. Sie sollten stärker als interaktive Bildungsformate eingesetzt werden, um komplexe Themen verständlicher zu machen oder kreative Problemlösungen zu entwickeln. Inklusive Spieldesigns dienen dem Abbau von Barrieren und binden unterschiedliche Gruppen ein. Fazit: Brettspiele als starkes Medium für Demokratie, Bildung, Innovation und sozialen Zusammenhalt nicht unterschätzen!
Agnes Wuckelt ist Professorin i.R. für Praktische Theologie an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Paderborn.
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.