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Während sein Land untergeht, hält Syriens Präsident Assad wiederwählen

Jenseits der Vorstellungskraft

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Wahllokal in Syrien bei der Präsidentschaftswahl im Juni 2014.
Bonn - Gut gelaunt kommt ein schwarzhaariger Mann mit Bart in Damaskus hinter der Wahlkabine hervor und wirft seinen Zettel in die Urne. Seine schlanke Begleiterin tut es ihm gleich, sie lächelt – alles im Griff, lautet die Botschaft dieser Fernsehbilder. Doch nur rund 160 Kilometer von der heilen Welt des Präsidentenpaares Baschar und Asma al-Assad sieht die syrische Realität anders aus.

Die Stadt Homs ist nur noch eine Steinwüste, soweit das Augen reicht zeugen Krater und Ruinen von dem, was einmal Häuser waren. Kein Grün ist zu sehen, unvorstellbar, dass hier noch Menschen leben. Auch am Dienstag, dem Wahltag, starben im syrischen Bürgerkrieg mehrere Menschen.

"Wie in Deutschland nach 45"

Die Zustände haben Bärbel Dieckmann, die Präsidentin der Welthungerhilfe, zu einem drastischen Vergleich bewegt: "Es sieht in den Städten aus wie bei uns 1945", sagte die frühere Bonner Oberbürgermeisterin. Wer sich die Fotos der Trümmerwüsten ansieht, kann den Vergleich mit der Situation in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg verstehen. Vera Jeschke, Nahost-Referentin des Hilfswerks Caritas international, spricht in Bezug auf das Bürgerkriegsland Syrien von einer "Schizophrenie": Nach den Berichten ihrer Partner vor Ort seien in manchen Städten wie etwa in Damaskus einige Stadtteile vollkommen zerstört, während in anderen Bezirken ein nahezu normales Leben möglich sei. Die Zahlen, die sie nennt, sprechen dennoch eine eindeutige Sprache: Allein sechs Millionen Binnenflüchtlinge gebe es in Syrien, jeder zweite Mensch sei zum Überleben auf humanitäre Hilfe angewiesen. "Es herrscht Krieg, da muss man gar nicht drumherum reden", so Jeschke.

Da verwundert es nicht, dass anfang der Woche fünf deutsche Friedensforschungsinstitute die Bundesregierung aufforderten, Deutschland solle deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen: Statt etwa 10.000 wie bisher geplant, sollten es doch 200.000 werden, so die Forscher. Vera Jeschke hält das zwar für eine gut gemeinte Forderung, aber zumindest angesichts des aufwändigen Aufnahmeprozederes in Deutschland nicht für realistisch: "Mit diesen Standards würde es Jahrzehnte dauern, so viele Flüchtlinge in Deutschland auszunehmen", erklärt sie.

Zugang zu allen Regionen gefordert

Nach ihren Informationen sind von den 10.000 Menschen, deren Aufnahme Deutschland zugesagt hat noch lange nicht alle ausgewählt, geschweige denn in Deutschland angekommen. Verglichen mit dem Libanon, der mit seinen etwa vier Millionen Einwohnern allein eine Millionen registrierte Flüchtlinge aufgenommen hat, zu denen mindestens 500.000 als Dunkelziffer hinzuzurechnen sind, ist das nicht mehr als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. "Als wohlhabendem europäischen Land mit hoher Bevölkerungszahl stände uns eine größere Hilfe schon gut zu Gesicht", kommentiert Vera Jeschke.

Ob eine Luftbrücke nach Syrien, wie sie in den vergangenen Wochen diskutiert wurde, ein hilfreicher Schritt im Kampf gegen das Elend der Bevölkerung ist, bezweifelt die Caritas-Expertin jedoch: "Wann braucht man eine Luftbrücke? Wenn ein Gebiet von jeglicher Versorgung vollkommen abgeschlossen ist. Aber das ist in Syrien nicht der Fall". Die Partnerorganisationen, mit denen Caritas International zusammenarbeite, könnten Nahrung und Hygieneartikel für die Bedürftigen noch im Land selbst organisieren. Und andere Hilfsgüter wie Medikamente könnten aus dem Ausland beschafft werden. "Wir fordern statt einer Luftbrücke, den Zugang zu allen Regionen zu ermöglichen, so dass wir in alle Stadtteile vordringen können", sagt Jeschke.

Entschlossenheit statt Resignation

Ob sie angesichts der aussichtlosen Lage in dem Land bei ihrer Arbeit nicht der Mut verlässt? Es mache schon hilflos, zu sehen, wie ein komplettes Land samt Menschen und Kultur zugrunde gerichtet werde, antwortet sie. Resignation schwingt dabei aber nicht mit, eher Entschlossenheit: "Uns bleibt einerseits nicht viel mehr übrig als mit Entsetzen zuzusehen. Andererseits müssen wir als Hilfsorganisationen einfach tun, was in unserer Macht steht", sagt Jeschke. Und so arbeiten die Helfer vor Ort seit Jahren an den Grenzen ihrer Belastungsfähigkeit, immer in dem Wissen, mit ihrer Arbeit ihre Leben zu riskieren.

Derweil scheint zumindest am Wahltag Assad und seinen Anhängern das Chaos und Leid in ihrem Land kalt zu lassen. Nach dem Urnengang feiern sie, tanzen zu orientalischer Musik, die Kinder auf den Schultern – ein friedlich-grausames Bild.

Von Gabriele Höfling

Krieg in Syrien

Über die Lage der Menschen in Syrien hat unser Partnerportal weltkirche.katholisch.de ein Dossier mit wichtigen Informationen zusammengestellt.

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