Jimmys grüne Cargohosen
Nennen wir ihn Jimmy. Jimmy ist stolz auf seine Hosen. Und auf seine Schuhe. Seine Cargohosen im grün-beigefarbenen Tarnmuster mit den tiefen Taschen auf der Höhe beider Oberschenkel sehen aus, als wären sie speziell für die nächstbeste schnelle Eingreiftruppe des nächstbesten Militärbündnisses angefertigt und seine Stiefel könnten direkt aus dem Spind eines Fallschirmjägers stammen. Abgerundet wird das martialische Outfit durch eine Armbanduhr in der 'Trendfarbe' Khaki und eine Baseball-Kappe mit einem Logo, wie abgepaust von der Einschüchterungsbemalung eines Bombers aus einem der letzten Kriege.
'Military Look' ist in. Die Ästhetik des Krieges ist in unseren Alltag eingedrungen. Kleidung, die für jeden Fernsehzuschauer und jeden Zeitungsleser eigentlich mit Tod und Verderben in Verbindung stehen müsste, prägt unsere Freizeitmode. Soziologen und Psychologen sehen darin – neben kaum verhohlenem Männlichkeitskult – vor allem eine Sehnsucht nach Ordnung, Stabilität und Beherrschbarkeit unseres direkten Umfelds. Wenn wir uns kleiden wie Soldaten, soll das nicht zuletzt unseren Wunsch ausdrücken, dem gefühlten globalen Chaos etwas entgegenzusetzen. Wir wollen zumindest so aussehen, als hätten wir alles im Griff, ließen uns nicht überrumpeln und wären gegen jeden Angriff von außen gewappnet. Wie wir es Soldaten eben zuschreiben.
Im mittelitalienischen Assisi sind seit Sonntag Menschen versammelt, die zwar auch ihre Probleme mit dem Zustand unserer Welt haben, die ihre Hoffnung aber gerade nicht auf Soldaten setzen. Knapp fünfhundert religiöse Führer, aber auch Atheisten und Agnostiker reden und beten dort miteinander, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen gegen Hassprediger und Kriegstreiber. Sie wollen ein Gegengewicht schaffen gegen die Aufrufe zur Gewalt, die nur allzu oft den Namen Gottes für ein teuflisches Werk missbrauchen. Heute nun trifft sich auch der Papst mit ihnen, der diesen Tag zum weltweiten Tag des Gebetes für den Frieden ausgerufen hat.
"Durst nach Frieden - Religionen und Kulturen im Dialog" heißt das Motto der Versammlung am Heimatort des heiligen Franziskus. Ein gutes Motto. Einen langfristigen Erfolg wird das Treffen aber trotzdem wohl nur haben, wenn es ihm gelingt, auch Menschen wie Jimmy in seinen Cargohosen zu erreichen und mit ihnen ein Gespräch zu eröffnen. Die Ästhetik des Krieges muss endlich ihren Reiz verlieren.
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