Kaputte Katechese
Die Kirche in Deutschland braucht eine ehrliche Bestandsaufnahme des sakramentalen Lebens. Nein, nicht noch mehr Zahlen, die einen Untergang beschreiben (und zuweilen vielleicht auch herbeischreiben). Es geht um ein viel tiefer sitzendes Problem: Selbst praktizierende Gläubige können ihr Tun oftmals kaum noch mit einem heilbringenden Sinn begründen.
Als Beispiel sei das Sakrament der Ehe genannt. Gut 44.000 Mal spendeten es sich Paare im vergangenen Jahr in Deutschland. Der Verdacht liegt nahe, dass dabei in vielen Fällen der Wunsch nach einer ästhetisch anspruchsvollen Zeremonie den Ausschlag gab, gemeinsam vor den Altar zu treten. Dies jedenfalls erfährt man von Seelsorgern, die ihr Bestes tun, auch solchen Paaren den Weg der christlichen Ehe zu weisen. Man liest es sogar ganz unverblümt von angehenden Eheleuten selbst, die sich etwa in Hochzeitsforen über die Vorbereitungen auf ihren "schönsten Tag im Leben" austauschen.
Besonders eindrucksvoll hatte es vor einer Woche eine FAZ-Kolumnistin in Worte gefasst, die über ihren Freund, einen Hochzeitsgast, schrieb: Der ehemalige Ministrant sei gern gesehen bei Hochzeitsfeiern, da er fehlerfrei das Vaterunser aufsagen und inbrünstig das Te Deum singen kann. Bedenklich, dass man der beschriebenen Szene ohne viel Phantasie gut folgen kann: Ein Paar fragte den Katholiken an, ob man ihn nicht als Vorbeter zur Märchenhochzeit gleich mitbuchen könnte; "sonst würde es ja nichts mit der Stimmung!" Völlig unbedenklich ist hingegen der Wunsch des Paares. Die Kirche sollte ihn sogar bestärken. Eine kirchliche Heirat um ihrer liturgischen Ästhetik Willen anzustreben, ist schließlich nicht ungehörig; nur eben nicht ausreichend.
Fast auf den Tag genau vor einem Jahr haben die deutschsprachigen Bischöfe bei der Familiensynode ein wichtiges Ziel in dieser Frage formuliert: Es braucht einen eigenständigen Ehekatechumenat. Noch ist aus dieser Erkenntnis keine Strategie gereift, wenn auch die jüngsten Beratungen der Bischöfe darauf hoffen lassen. Doch noch vor neuen Pastoralkonzepten muss das Eingeständnis stehen: Wenn die Sakramentenkatechese der Kirche Stoff für Kolumnen bietet, läuft etwas falsch.
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