Katholiken appellieren an Politiker
„Als stärkste Fraktion ist die CDU/CSU in der Pflicht, so schnell wie möglich, eine neue Regierung zu bilden“, sagte der KKV-Vorsitzende Bernd-M. Wehner am Freitag in Essen. Das setze aber voraus, dass sowohl SPD als auch Grüne zu entsprechenden Kompromissen bereit seien. Die Bürger hätten kein Verständnis dafür, wenn die Parteien jetzt Maximalforderungen aufstellten, so Wehner weiter. „Schließlich ist eine Koalition keine Liebesheirat.“
Der KKV-Vorsitzende warnte zudem vor Politikverdrossenheit bei den Bürgern. Die könne sich noch verstärken, „wenn es den Parteien bei den kommenden Koalitionsverhandlungen vor allem um Machterhalt und weniger um das politische Gestalten geht“. Man müsse sich an Sachthemen orientieren und ernsthaft versuchen, Gemeinsamkeiten zu finden.
Inhaltlich sieht sich der katholische Sozialverband durch die von ZdK-Präsident Alois Glück formulierten Themen gut repräsentiert. Glück wendete sich bereits am Mittwoch in einem Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Die zentralen Themenfelder lauten: europäische Integration, Entwicklung und globale Verantwortung, Energiewende und Klimaschutz, Lebensschutz sowie Familie und Solidarität der Generationen.
ZdK-Präsident Glück fordert Eigenverantwortung und Solidarität
Der ZdK-Präsident spricht sich für die Stärkung des solidarischen Handelns in der Europäischen Union aus. Er erwartet sowohl einen eigenverantwortlichen Schuldenabbau der Krisenländer als auch die Unterstützung durch die anderen Mitgliedstaaten. In der Entwicklungspolitik halte das ZdK es für dringend notwendig, die Kürzungsentscheidungen umgehend zurückzunehmen und stattdessen die Finanzmittel im Bundeshaushalt deutlich aufzustocken.
In der Energiewende erwarten Glück und das ZdK die Unterstützung der Bürger: „Ohne eine breite Akzeptanz der notwendigen Infrastruktur für die Produktion und Verteilung von Strom ist die Energiewende nicht möglich.“ Familienpolitisch wünscht sich Glück, dass Erziehungsleistungen der Eltern in der Sozialversicherung stärker berücksichtigt werden und die Wahlfreiheit der Kindesbetreuung – ob in einer Kindertagesstätte oder zu Hause. „Keiner dieser Wege darf diskriminiert werden“, heißt es in dem Brief.
Außerdem rückt das ZdK die Menschenwürde in den Mittelpunkt. Glück lehnt eine weitere Liberalisierung des Embryonenschutzes ebenso ab wie jede Form der beruflichen und der organisierten Suizidbeihilfe. Stattdessen müsse heute jeder Mensch in der letzten Lebensphase Unterstützung durch eine qualifizierte Palliativmedizin und Hospizbegleitung erhalten. (bod)