Katholischer Siedlungsdienst sieht Vergesellschaftung kritisch
Der Katholische Siedlungsdienst sieht Pläne zur Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne im Falle einer rot-grün-roten Landesregierung in Berlin kritisch. Das Vorhaben zerstöre Vertrauen in den Investitionsstandort Deutschland insgesamt und besonders Berlin, sagte der geschäftsführende Vorstand Ulrich Müller am Dienstag auf Anfrage in Berlin. Sie würde zu erheblichen Unsicherheiten für bestehende und anstehende Immobilienfinanzierungen führen. Bereits beim kurzfristig in Berlin eingeführten Mietendeckel habe man ein abwartendes und zögerliches Verhalten beobachtet.
Der Katholische Siedlungsdienst (KSD) bildet den Dachverband der katholischen und kirchlich orientierten Wohnungsunternehmen in Deutschland. Zu den Mitgliedern gehören nach eigenen Angaben neben den 27 deutschen (Erz-)Bistümern 46 Wohnungs- und Immobilienunternehmen, die in ganz Deutschland für die Schaffung von Wohnraum aktiv sind.
"Ideologische Vorstellungen"
Nach den Worten Müllers ist der KSD selbst nicht von den Plänen betroffen, da der Bestand an Wohnungen unter der geplanten Grenze von 10.000 Wohneinheiten liege. "Uns scheint es bei dem Vorhaben auch darum zu gehen, ideologische Vorstellungen umzusetzen und Teile der Wirtschaft in eine sozialistische Wirtschaftsform umzuwandeln", so Müller. Wie viele andere sei er überzeugt, dass durch die Vergesellschaftung von Wohnraum keine einzige neue Wohnung in Berlin geschaffen werde. Zudem müssten erhebliche Mittel aufgewendet werden, um die Eigentümer der Immobilienbestände zu entschädigen. In Zeiten angespannter Haushalte – besonders in Berlin – sei das problematisch.
Eine Vergesellschaftung sei auch mit Blick auf die zukünftige Bestandsentwicklung kritisch. Soweit die dann vergesellschafteten Wohnungen unter der Kostenmiete vermietet werden sollen, baue sich ein enormer Investitionsrückstand bei den neuen Eigentümern auf, so Müller.
"Gemeinwohlorientierter Wohnungsbau"
Statt einer Vergesellschaftung solle man eher auf etablierte Akteure setzen, die sich dem gemeinwohlorientierten Wohnungsbau verschrieben hätten. "Wir sollten ehrlich und offen die realen Kosten des Wohnens thematisieren und Wege finden, diese im Idealfall wieder etwas zu senken, zumindest aber den weiteren Anstieg der Kosten zu verhindern", so Müller. Die Baukosten, aber auch die Kosten für Unterhalt und Sanierungen seien in den vergangenen Jahren exorbitant gestiegen; die Baufinanzierung sei so teuer wie schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr.