Katholisches Büro Erfurt: Keine Gespräche mit Höcke
Das Katholische Büro Erfurt führt keine offiziellen Gespräche mehr mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden im Thüringer Landtag, Björn Höcke. Der Leiter des Katholischen Büros, Winfried Weinrich, erklärte am Samstag in Leipzig: "Es gibt keine Gesprächsbasis mehr aufgrund des Verhaltens und der Äußerungen von Herrn Höcke, insbesondere bei den AfD-Demos auf dem Domplatz und gegenüber dem Thüringer Bündnis für Mitmenschlichkeit sowie in der Frage der deutschen Erinnerungskultur." Weinrich bezeichnete Höcke und seine rechtspopulistischen Äußerungen als "äußerst problematisch".
Katholisches Büro hält weiterhin Kontakt zu AfD-Abgeordneten
Zugleich betonte Weinrich, dass er dessen ungeachtet weiter Kontakt zu den AfD-Landtagsabgeordneten halte und inhaltliche Fragen mit ihnen diskutiere: "Als Schaltstelle zwischen der katholischen Kirche und der thüringischen Landespolitik muss ich auf der Sach-Ebene für eine Zusammenarbeit offen sein, und das funktioniert in der Praxis auch ganz gut." Weinrich äußerte sich beim Studientag der Katholischen Akademien der Bistümer Magdeburg, Erfurt und Dresden-Meißen zum Thema: "AfD und Christsein. (Un-)vereinbar?"
Im Zentrum der Veranstaltung stand eine Anfang Juni veröffentlichte wissenschaftliche Vergleichsstudie, die Positionen der AfD mit der katholischen Soziallehre verglich und erhebliche Differenzen ausmachte. Die Katholischen Büros in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hatten die Studie beim Institut für Christliche Sozialwissenschaften (ICS) an der Universität Münster sowie dem Zentrum für Ethik der Medien und der digitalen Gesellschaft in München in Auftrag gegeben.
Weinrich kritisierte, dass sich das Katholische Büro Berlin-Brandenburg nicht ebenfalls der Beauftragung angeschlossen hatte. "Es wäre auch gut gewesen, wenn solch eine Studie von allen Katholischen Büros bundesweit angestrebt worden wäre", betonte der Ordinariatsrat, "denn so entsteht wieder der falsche Eindruck, bei dem Thema gebe es einen ostdeutschen Problembären." Nicht nur in ostdeutschen Gemeinden gebe es Bitten nach Hilfestellung bei der Einordnung der neuen parteipolitischen Entwicklungen.
Heimbach-Steins: AfD geht mit Religionsfreiheit "sehr selektiv" um
Die ICS-Direktorin und Herausgeberin der Vergleichsstudie, Marianne Heimbach-Steins, kritisierte, dass die AfD das Grundrecht der Religionsfreiheit "sehr selektiv" umgehe: "Die geforderten Einschränkungen der Religionsausübung von Muslimen verstoßen gegen die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit." Wer das Glaubensbekenntnis von der Religionsausübung trenne, zerstöre religiöse Identitäten. Heimbach-Steins verwies darauf, dass die AfD damit auch im Widerspruch zu den christlichen Kirchen stehe, die für die Religionsfreiheit aller Glaubensgemeinschaften eintreten.
Die Theologin betonte zugleich: "Beim Thema Religionsausübung ist die AfD auf einen Zug aufgesprungen, der in der Gesellschaft schon an Fahrt aufgenommen hatte." Sie äußerte Besorgnis darüber, dass es eine zunehmende Skepsis gegenüber öffentlicher Religionsausübung gebe und sich Tendenzen abzeichneten, die dem Grundrecht auf Religionsfreiheit zuwiderliefen. (KNA)