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Weihbischof Jaschke fordert verantwortungsvollen Umgang mit "Pille danach"

"Keine Aspirinpille"

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Eine Frau hält eine einzeln verpackte "Pille danach" in die Höhe.
Köln/Berlin - Der Hamburger katholische Weihbischof Hans-Jochen Jaschke mahnt einen verantwortungsvollen Umgang mit der "Pille danach" an, die künftig rezeptfrei erhältlich sein könnte. Jaschke warnte am Donnerstag in einem Interview des Deutschlandfunks davor, der Liberalisierung "Tür und Tor zu öffnen". Denn die "Pille danach" sei eben "nicht einfach eine Aspirinpille oder ein Schnupfenmittel oder irgendetwas anderes, " argumentierte er.

"Hier geht es doch wirklich schon um einen Eingriff in den Organismus eines Menschen, der Frau, und da braucht es eine Verantwortung, denke ich, eine gute Beratung. Das kann man nicht einfach so aus der Tasche ziehen," so Jaschke. Er sei eigentlich wie zunächst Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gegen die Freigabe der "Pille danach" gewesen, akzeptiere aber die sich abzeichnende Änderung. Zugleich forderte er eine gute Beratung durch Apotheker.

Gröhe will EU-Empfehlung genau prüfen lassen

Der Europäische Arzneimittelausschusses EMA hatte vergangenen Freitag empfohlen, die "Pille danach" mit dem Namen "ellaOne" aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Nun muss die EU-Kommission entscheiden, ob sie der Empfehlung zustimmt. Wann darüber entschieden wird, ist offen. Falls die EU diese "Pille danach" aus der Rezeptpflicht entlässt, darf weiterhin jedes EU-Mitgliedsland selbst entscheiden, ob es diese Vorgabe übernimmt.

Bundesgesundheitsministers Hermann Gröhe
Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Bundesgesundheitsminister Gröhe hatte daraufhin betont, dass die Empfehlungen genau geprüft würden. Wenn die Beratung aufgrund einer Brüsseler Entscheidung künftig nicht mehr zwingend durch einen Arzt vorgenommen werden müsse, sei "eine intensive Beratung auch in den Apotheken der richtige Weg", so Gröhe, der bisher immer eine Freigabe abgelehnt hatte. Er wolle Frauenärzte, Apotheken und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte einladen, gemeinsam Kriterien dafür zu entwickeln.

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Martina Stamm-Fibich forderte Gröhe auf, nicht nur Pillen mit dem Wirkstoff Ulipristal wie "ellaOne" freizugeben, sondern auch die mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. Diese Präparate seien erheblich preiswerter und außerdem viel besser erforscht. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn hingegen warnte: "Die Pille danach ist ein Arzneimittel mit teilweise gravierenden Nebenwirkungen. Dass wir Minderjährige vor Missbrauch schützen, halte ich für legitim."

Jaschke: Kirche kann Freigabe nicht verhindern

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach sagte im "Tagesspiegel": "Die Schlacht ist geschlagen". Diese Aussage bewertete Weihbischof Jaschke kritisch: Wenn man "so martialisch" rede, könne man die "Pille danach" demnächst "vielleicht sogar aus dem Automaten ziehen", er sei da eher skeptisch und sage, dass man so nicht "mit diesen ganz wichtigen Bereichen des Menschen" umgehen könne. Die Kirche könne die Freigabe nicht verhindern, sagte der Bischof, doch müsse man dazu aufrufen, "dass wirklich Menschen gut beraten werden. Wenn die Ärzte das dann eben nicht mehr tun können und tun müssen, dann muss es der Apotheker, die Apothekerin machen".

Hans-Jochen Jaschke ist Weihbischof im Erzbistum Hamburg.
Hans-Jochen Jaschke ist Weihbischof im Erzbistum Hamburg.

Mit diesem "großen Bereich einer verantwortlichen Sexualität" dürfe man nicht leichtfertig umgehen, so Jaschke. Denn "das hat zutiefst mit dem Menschen zu tun, mit der Würde eines Menschen, mit der Würde der Frau. Natürlich muss die Frau selber entscheiden und richtig handeln." Aber das müsse gut überlegt sein und mit vollem Bewusstsein geschehen.

Jaschke verwies auf die Haltung der katholischen Kirche, die immer wegen der abtreibenden Wirkung gegen die "Pille danach" war. Wenn die neueren Medikamente diese Wirkung nicht mehr hätten, sondern nur die Empfängnis verhinderten, habe dies "eine andere Qualität". Er wies darauf hin, dass sich die Nebenwirkungen schlecht abschätzen ließen. "Ich denke, man muss wirklich aufpassen, dass eine Liberalisierung da nicht Tür und Tor öffnet", mahnte der Weihbischof.

Aufklärung wichtig

Krankenhäusern und deren Mitarbeitern könne er nur sagen "Nehmt die Menschen ernst, helft den betroffenen Frauen, stellt sie nicht vor Verbote, gebt ihnen einen guten Rat, klärt sie entsprechend auf, damit sie so damit umgehen, wie es richtig ist."

Anfang 2013 entflammte die Debatte über die "Pille danach" neu. Auslöser waren Presseberichte über eine Abweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau durch zwei katholische Kliniken in Köln. Behauptet wurde, Ärzte hätten die Behandlung verweigert, weil damit ein Beratungsgespräch über die "Pille danach" verbunden wäre. Der damalige Kölner Kardinal Joachim Meisner entschuldigte sich später für den Vorfall und legte eine modifizierte kirchliche Position vor, der sich die deutschen Bischöfe auf ihrer nächsten Vollversammlung weitgehend anschlossen. Danach lässt die katholische Kirche das Präparat mit verhütender Wirkung nach einer Vergewaltigung zu. (luk/KNA/dpa)

Stichwort "Pille danach"

Die "Pille danach" wird auch als Notfallverhütung nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr bezeichnet. Sie kann bei rascher Einnahme eine Schwangerschaft zu einem hohen Prozentsatz verhindern. Demnach verschiebt oder verhindert sie den Eisprung so lange, bis die Spermien absterben und keine Befruchtung stattfinden kann. Sollte die Eizelle sich bereits im Eileiter oder in der Gebärmutter befinden, verhindert sie weder deren Befruchtung noch das Einnisten in die Gebärmutter. Nach Einnisten der befruchteten Eizelle ist sie nicht mehr wirksam. Das gilt für die in Deutschland zugelassenen Mittel Levonorgestrel (LNG) und Ulipristalacetat/Ulipristal (UPA). Sie sind laut Medizinern als Verhütungsmittel einzustufen und nicht als Mittel für einen Schwangerschaftsabbruch, wie etwa die Abtreibungspille RU-486. LNG-Präparate können in vielen Ländern Europas in der Apotheke gekauft werden. Sie sollen innerhalb von 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr genommen werden. Laut Berufsverband der Frauenärzte kann LNG innerhalb der ersten 24 Stunden etwa ein Drittel der Schwangerschaften verhindern. Bei Einnahme von UPA können demnach zwei- bis dreimal mehr Schwangerschaften verhindert werden. Diese Pille ist zur Verhütung bis 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr zugelassen. UPA ist bisher europaweit rezeptpflichtig, weil es noch keine Untersuchungen gibt, ob das Mittel sich nachteilig auf das Baby bei einer bestehenden Schwangerschaft auswirkt. Der EU-Arzneimittelausschuss hat allerdings empfohlen, die Rezeptpflicht aufzuheben. (luk/dpa)

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