Keine Hell- und Dunkelkatholiken
Deutschland spaltet sich. Die Migrationskrise, die jetzt immer mehr zur Integrationsdebatte wird, die Frage nach mehr oder weniger EU, das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen, die Gemeinschaftswährung Euro: All das bewegt die Menschen, politisiert sie in einer Weise, wie es noch vor wenigen Jahren nicht vorhersehbar war. So erfreulich dieses neue Interesse an der Politik eigentlich wäre, so beunruhigend sind freilich die Begleitumstände. Die Ränder links und rechts radikalisieren sich, aber auch in der gesellschaftlichen Mitte zieht ein neuer Ton ein. Freundschaften, und nicht nur solche auf Facebook, zerbrechen über Meinungsverschiedenheiten in den genannten Feldern. Selbst Katholiken, die links und rechts vom Meinungsgraben sitzen, finden nicht mehr zueinander. Menschen, die sich im Letzten einig sind, entzweien sich über Vorletztes.
Dabei ist Dissens in politischen Fragen unter Katholiken grundsätzlich legitim. Von Fragen nach Leben und Tod abgesehen gibt es im Konkreten, Empirischen naturgemäß immer weite Anwendungsspielräume. Viele sozialethische Fragen lassen sich gar nicht anders als in der Abwägung entscheiden. Und hier wird es immer Einsprüche geben können. Das ist bei Fragen von Migration und Integration nicht anders als bei Fragen eines christlichen Ansprüchen genügenden Steuersystems.
Entscheidend ist aber, dass die Debatte in Respekt vor dem Anderen geführt wird. Eine Einteilung in Hell- und Dunkelkatholiken hilft da nicht weiter. Katholiken würden deutschen Debatten hingegen einen wertvollen Dienst erweisen, wenn ihre Diskussionen von grundsätzlichem gegenseitigem Wohlwollen geprägt wären und dem Willen zum Verstehen des Anderen – und nicht zwangsläufig in die intellektuelle und – schlimmer – moralische Erledigung des Gegenübers münden. Gestritten werden darf innerhalb dieser Leitplanken um die rechte Übersetzung des christlichen Menschenbildes in die heutige Gesellschaft hinein derweil trefflich und leidenschaftlich. Christlich ist schließlich nicht der verdrängte Konflikt, sondern der bewältigte.
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