Keine Mission um jeden Preis
Immer wieder wird behauptet, Flüchtlinge ließen sich taufen, um bessere Chancen auf Asyl zu bekommen. Neues Öl ins Feuer goss jüngst der Fall eines 41-jährigen Afghanen, der nach seiner Konversion nicht abgeschoben und nun im oberpfälzischen Arnschwang wohl zum Mörder eines kleinen Jungen wurde. Das Bistum Augsburg, wo der Mann im Jahr 2012 in einer Gefängniskirche Christ wurde, verteidigte Taufen von Flüchtlingen. Ein monate- und manchmal jahrelanger Prozess der Vorbereitung und Prüfung im Kontakt mit Seelsorgern sowie eine Erlaubnis des Bischöflichen Ordinariates stehe vor allen Erwachsenentaufen – unabhängig von der Herkunft der Taufbewerber.
In der Tat sehen die Deutsche Bischofskonferenz und die Evangelische Kirche in Deutschland keinen Zusammenhang zwischen dem Flüchtlingszuzug und vermehrten Erwachsenentaufen. Katholischerseits gibt es keine Zahlen oder Schätzungen über Konversionen muslimischer Flüchtlinge – und auch keinen Erwachsenentaufen-Boom. Die beiden Kirchen verweisen in der Öffentlichkeit stets darauf, dass die Taufe allein in der Regel noch keinen Asylanspruch in Deutschland begründe. Ein Faktum, dass auch den muslimischen Taufbewerbern gegenüber kommuniziert wird. Seelsorger, die taufwillige Muslime begleiten, sind von der Ernsthaftigkeit der Bewerber überzeugt und berichten, dass sie Missbrauchsversuche ablehnten. Wenn etwa ein Flüchtlingshelfer seinen Schützling mit einer Taufe vor einer drohenden Abschiebung schützen wolle, werde nicht getauft.
Die Haltung der katholischen und evangelischen Kirche ist verständlich: Was nützten hohe Taufzahlen Erwachsener in der Statistik, wenn die Menschen dann nicht als überzeugte Christen in der Gemeinde auftauchten? Es gilt die Devise: Keine Mission um jeden Preis. Es geht schließlich bei Erwachsenentaufen um die Bekehrung der einzelnen Person und nicht um irgendeine Statistik.
Und dennoch kursieren Meldungen über tausende Flüchtlinge, die in Deutschland Christen geworden seien. Tatsächlich gibt es aggressive Missionierungsversuche in Flüchtlingsheimen – etwa von einzelnen fundamentalistischen Freikirchen, von Zeugen Jehovas und auch von Islamisten. Sie nutzen Notlagen der Geflüchteten aus, um mit ihrer religiösen Botschaft zu kommen und um schnell ihre eigenen Mitgliederzahlen zu steigern. Dabei müssten sie selbst wissen, wie moralisch falsch so ein Vorgehen ist. Die Kirche muss solche Missstände anprangern und diese zu verhindern versuchen. Erste Schritte sind mit Infobroschüren getan, aber dabei darf es nicht stehenbleiben.
Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.