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Volks- und Raiffeisenbanken steigen aus umstrittener Agrar-Spekulation aus

Keine Spekulation auf Lebensmittel

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Das Logo der Volks- und Raiffeisenbanken an einem Fachwerkhaus.
Frankfurt - Immer mehr Banken kehren den umstrittenen Wetten auf die Preisentwicklung bei Lebensmitteln den Rücken. Am Montag zogen sich die DZ-Bank, das Spitzeninstitut der Volks- und Raiffeisenbanken, und die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment zurück, wie ein Sprecher bestätigte.

Zuvor hatte "Spiegel Online" am Montag unter Berufung auf ein Schreiben des DZ Bank-Vorstands Lars Hille an die Verbraucherorganisation Foodwatch über die neue Regelung des Geldinstituts bei Nahrungsmittelspekulationen berichtet.

Die Dachorganisation von mehr als 900 Volks- und Raiffeisenbanken verabschiedet sich vom Vertrieb entsprechender Finanzprodukte, stellt die betroffenen Fonds ihrer Tochter Union Investment um und setzt sich zudem für eine schärfere Regulierung der Agrarrohstoffmärkte ein, wie aus dem Brief von Hille an Foodwatch hervorgeht. Nahezu alle Produkte mit Agrarrohstoffen aus dem Wertpapierangebot für Privatkunden liefen in diesem Jahr aus; Nachfolge-Produkte sollten nicht angeboten werden. Produkte ohne Laufzeitende seien bereits von der Börse genommen worden oder seien zum 3. Juni gekündigt worden, so der Banker.

Lob von der Regierung

Das Bundeslandwirtschaftsministerium begrüßte die Entscheidung der DZ-Bank. "Es ist wichtig, dass ein klarer Trennstrich gezogen wird zwischen verantwortungsvollen Investitionen, die hilfreich sind im Kampf gegen den Hunger, und Transaktionen, die Preisschwankungen verstärken können", erklärte ein Sprecher in Berlin. Wer als großes Geldinstitut angesichts von fast 900 Millionen hungernden Menschen hier keinen Unterschied mache, handele verantwortungslos.

Kritiker sehen die Finanzprodukte zur künftigen Preisentwicklung von Rohstoffen (Futures) als einen Auslöser für spekulative Preisspitzen bei Lebensmitteln. Befürworter betonen hingegen die Funktion der Papiere zur Preissicherung. Allerdings ist in den vergangenen Jahren der Derivatehandel mengenmäßig deutlich angestiegen, was auf starke Spekulationen schließen lässt.

Hilfsorganisationen wie Oxfam oder Misereor erklärten, es gebe Hinweise zumindest auf indirekte Zusammenhänge zwischen Spekulationen und steigendem Lebensmittelpreis. So lange es um ein existenzielles Thema wie Hunger gehe, müsse die Beweislast der Unschädlichkeit von Anlageprodukten bei den Geldinstituten liegen, so Misereor-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon.

Deutsche Bank will auf das Geschäft nicht verzichten

Die DZ-Bank folgt mit ihrem Schritt anderen Instituten wie der Commerzbank, mehreren Landesbanken sowie der Dekabank der Sparkassen. In dem Geschäft sei man ohnehin "kein großer Player" gewesen, erklärte am Montag ein Sprecher der DZ-Bank. Foodwatch- Geschäftsführer Thilo Bode kritisierte erneut die Deutsche Bank, die auf das Geschäft nicht verzichten wolle. Sie versuche, die notwendige politische Regulierung der Finanzmärkte mit allen Mitteln zu hintertreiben.

Die Deutsche Bank hat es bislang abgelehnt, auf die umstrittenen Agrar-Geschäfte zu verzichten. Es gebe kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten für Preissteigerungen oder erhöhte Preisschwankungen verantwortlich sei. Sie seien im Gegenteil nützlich, erklärte Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen im Januar. Der Hunger könne nur abgestellt werden, wenn es gelinge, Kapital auf intelligente Weise in diese Bereiche zu lenken. (luk/dpa/KNA)

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