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Katholisch.de und Focus online begleiten Politiker durch die Osterzeit

Keine Zeit der Resignation

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Bundesbildungsministerin Annette Schavan.
Bonn - Gemeinsam mit "Focus Online" begleitet katholisch.de Politiker durch die Kar- und Ostertage. Die künftige deutsche Botschafterin beim Heiligen Stuhl und ehemalige Bundeswissenschaftsministerin, Annette Schavan (CDU), schreibt in ihrem Gastbeitrag für Focus online, über den Karsamstag. Die Franziskanerin Elisa Kreutzer erklärt für katholisch.de, warum es am Karsamstag keine vorgeschriebenen Bibeltexte gibt.

Zwischen dem Karfreitag und dem Ostersonntag liegt ein Samstag, mit dem sich viele Menschen inhaltlich schwer tun, den sie nicht einordnen können: der Karsamstag. Der Tag vor Ostern heißt nicht Ostersamstag, sondern Karsamstag, weil er noch an einen wichtigen Schritt im Ostergeschehen erinnert. Nach der Kreuzigung am Karfreitag, so berichtet die Bibel im Johannesevangelium, kommt Josef von Arimathäa und bittet den Statthalter Pilatus den toten Jesus beerdigen zu dürfen. Pilatus willigt ein und so wird Jesus in ein Felsengrab gelegt.

In der katholischen Kirche gehört der Karsamstag, wie auch der Karfreitag zu den eucharistiefreien Fast- und Trauertagen. Es gibt in der Regel an diesem Tag keine Gottesdienste, nur die sogenannte "Tagzeitenliturgie" – das Stundengebet der Kirche, das vor allem in den Klöstern gebetet wird, wird gefeiert.

Ein spezieller Tag im Kirchenjahr

So "gottesdienstlos" und ohne speziell vorgeschriebenen Bibel- oder Gebetstexte ist der Karsamstag ein wirklich "spezieller" Tag des Kirchenjahres, mit dem Viele nichts mehr anzufangen wissen – mal abgesehen von den häuslichen Vorbereitungen wie aufräumen, putzen oder backen, damit es auch ein schönes Osterfest wird.

Schwester Elisa Kreutzer im Porträt
Schwester Elisa Kreutzer

Doch es lohnt sich diesen Samstag nicht einfach so zu übergehen, denn das bewusste Erleben und Gestalten dieses Tages hat etwas ganz Entscheidendes: Er ist die Erinnerung daran, dass Jesus selbst die Dunkelheit des Grabes und das Reich des Todes erlebt und dadurch mit seiner Gegenwart erfüllt hat. Auch der Sohn Gottes selbst, so glauben wir Christen, hat das Schicksal der Toten geteilt, auch seine Freunde und Anhänger erlebten Trauer, fragten sich "Warum, ausgerechnet er?" und standen am Grab, ohne den geliebten, bekannten Freund.

Der Tag der Grabesruhe

Bei uns im Kloster ist der Karsamstag ein stiller Tag, an dem nur das notwendigste gesprochen wird. Es ist ein Tag der "Grabesruhe". Wir Schwestern beginnen ihn morgens, gemeinsam mit unseren Gästen, in unserer Klausurkapelle. Auf dem Weg zur Kapelle liegen in diesem Jahr Gedanken und Worte zum Thema "Tod und Sterben", wie zum Beispiel: Trauer - allein gelassen - Abschied - Warum - ich vermisse dich - Angst.

Beim Betreten der Kapelle am Karsamstag werden alle sofort den Sarg sehen, mitten vor dem Altar. Es ist ein weißer Sarg, genauso ein Sarg, mit dem wir bei Beerdigungen unsere verstorbenen Mitschwestern zu Grabe tragen. In die Stille werden Worte des Abschieds gesprochen – rückblickend auf das Leben Jesu, zugleich auch verbunden mit unserem Leben und unserem Abschied nehmen im Alltag. Zehn Personen werden dann, begleitet von Instrumentalmusik, durch den Mittelgang ein schwarzes Tuch hereintragen und damit den Sarg bedecken.

Der Karsamstag ist eine echte Chance, mich als Mensch ernst zu nehmen, der einmal sterben muss – der jedoch vor dem Sterben und dem Tod keine Angst zu haben braucht, da Gott selbst dies durchlebt hat.

Schwester Elisa Kreutzer

Tot ist tot – Trauer und Dunkelheit dürfen sein. Jetzt, hier am geschlossenen Sarg, am Grab haben sie Platz: die ganz persönliche Trauer über den Verlust eines lieben Menschen, die gemeinschaftliche Trauer über einzelne Abschiede, die große Trauer über die vielen Toten und Verstorbenen. Der zugedeckte Sarg, er wird ein deutliches Signal sein: Hier darf getrauert werden! Mensch, hier darfst du so sein, wie du bist, auch mit allem was dich bedrückt und lähmt; mit allem was bei dir begraben wurde oder begraben werden sollte. An diesem zugedeckten Sarg sind wir alle eingeladen auszuhalten, einerseits Jesu Tod und seiner Grablegung zu gedenken, vielmehr uns aber auch bewusst zu machen, welche "Grabesruhe" es heute mitzutragen, zu durchleben und eben nicht gleich wieder zu "überstreichen" oder zu übergehen gilt.

DA sein – aushalten, dass es Situationen gibt, in denen eben nichts mehr ist, dass ich nichts mehr tun kann, dass es Momente im Leben gibt die sich aller Machbarkeit entziehen und die es auszuhalten gilt. Die Frage ist, wie ich sie trotzdem gestalte und in das Leben integriere.

Deshalb ist der Tag zwischen Karfreitag und Ostern so wichtig. Der Karsamstag ist eine echte Chance, mich als Mensch ernst zu nehmen, der einmal sterben muss – der jedoch vor dem Sterben und dem Tod keine Angst zu haben braucht, da Gott selbst dies durchlebt hat.

Wie kein anderer Tag kann dieser "leere" Karsamstag eine Ermutigung sein, sich mit den eigenen kleinen Toden, die wir im Alltag immer wieder erfahren und mit den vielen kleinen und großen Abschieden unseres Lebens zu befassen um dann festzustellen: Gott geht alle diese Wege mit – er hat sie selbst erlebt!

Von Schwester Elisa Kreutzer

Zur Person

Schwester Elisa Kreutzer ist Franziskanerin aus dem Kloster Reute

Heute auf Focus Online

"Zeiten des Übergangs sind keine Zeiten der Resignation" Annette Schavan zum Karsamstag Schwester Elisa zu ihrem persönlichen Karsamstag.

Katholisch.de kooperiert mit Focus Online

Gemeinsam mit Focus Online begleitet katholisch.de Politiker durch die Kar- und Ostertage. Auf Focus Online berichten sie, was die Feiertage für sie bedeuten. Auf katholisch.de deuten zwei Ordensleute die heiligen Tage: Schwester Elisa Kreutzer ist Franziskanerin aus dem Kloster Reute. Pater Maurus Runge ist Benediktiner aus der Abtei Königsmünster. Teil 1 der Serie vom Palmsonntag mit Texten von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) und Schwester Elisa Kreutzer können Sie hier nachlesen. Teil 2 der Serie vom Gründonnerstag mit Texten von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Pater Maurus Runge können Sie hier nachlesen. Teil 3 der Serie vom Karfreitag mit Texten von der Fraktionsvorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion Katrin Göring-Eckardt und Pater Maurus Runge können Sie hier nachlesen. Teil 5 der Serie erscheint am Ostersonntag. Dann kommen die Texte von Heiner Geißler (CDU) und Schwester Elisa Kreutzer.

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