"Kirche kein Streikbrecher"
Wegen des kirchlichen Arbeitsrechts dürfen Erzieherinnen und Erzieher in katholischen Einrichtungen nicht streiken. Eltern, die bei katholischen Kitas anklopfen, um ihr Kind kurzzeitig dort unterzubringen, werden vermutlich keinen Erfolg haben. Ganz ausschließen könne er das zwar nicht, "eigentlich ist es aber nicht vorstellbar", erklärte der Geschäftsführer des Verbands Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder, Frank Jansen, in Freiburg. "Ich kann mir das nur für absolute Notfälle vorstellen."
Ansonsten gebe es dafür keine Kapazitäten. "Zudem wollen wir auch nicht als eine Art Streikbrecher auftreten", so der Chef des bundesweit tätigen Verbandes. Natürlich sei es für die Eltern bitter, wenn die Kitas streikten. Die Beweggründe der Erzieherinnen und Erzieher könne er aber sehr gut nachvollziehen. Die Anforderungen an den Erzieherberuf seien in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Wer bestimmte Qualitätsstandards wolle, müsse auch bereit sein, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Dazu gehöre neben anderen Rahmenbedingungen auch eine angemessene Bezahlung.
Bsirske: Eltern äußern Verständnis
Die Gewerkschaften Verdi, Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Beamtenbund (dbb) hatten nach fünf Runden die Tarifverhandlungen für die bundesweit 240.000 Erzieher und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen für gescheitert erklärt. Bereits in den vergangenen Wochen gab es in zahlreichen Bundesländern Warnstreiks und geschlossene Kitas. Die Arbeit niederlegen sollen Erzieherinnen und Erzieher in Kitas, Horten und an offenen Ganztagsschulen - ebenso Sozialarbeiter und Sozialpädagoginnen in Jugendzentren, in der Schulsozialarbeit und im allgemeinen Sozialdienst. Beteiligen wollen sich auch Erzieher und Heilpädagoginnen in Heimen für Kinder und Jugendliche sowie Beschäftigte in Einrichtungen der Behindertenhilfe.
"Keine Frage, das wird Eltern hart treffen", hatte der Verdi-Vorsitzende Frank Bsirske bei der Ankündigung des Streiks eingeräumt. Zugleich verwies er aber darauf, dass viele Eltern durchaus Verständnis dafür gezeigt hätten, dass der Erzieher-Beruf aufgewertet werden müsse. "Und Wertschätzung drückt sich nun mal auch im Gehalt aus", sagte Bsirske. Auf die Dauer des Arbeitskampfes wollte er sich nicht festlegen. Der Ball liege im Feld der kommunalen Arbeitgeber.
Katholische Lehrerinnen: Fahrlässiges Handeln
Unterdessen kritisierten verschiedene, auch katholische, Verbände den Streik. "Der Kita-Streik wird auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen", erklärte der Deutsche Kinderschutzbund. Das dürfe nicht sein. Zugleich mahnte er aber auch eine deutlich höhere Bezahlung des Personals an. Es sei "schlimm, dass Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland überhaupt für eine bessere Bezahlung streiken müssen", sagte Präsident Heinz Hilgers der "Bild"-Zeitung. Es sei Aufgabe des Staates, "grundsätzlich für eine angemessene Bezahlung sorgen".
Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen (VkdL) meinte, "im Erziehungs- und Bildungsbereich sind Streiks grundsätzlich kein Mittel zur Durchsetzung materieller Forderungen". Pädagogen handelten fahrlässig, wenn sie ihrer Fürsorgepflicht nicht nachkämen, so die VkdL-Bundesvorsitzende Roswitha Fischer. Die Forderung der Erzieher nach mehr Wertschätzung sei berechtigt, so der Verein weiter. Doch ein Streik treffe die Falschen.
Der Deutsche Städtetag forderte die Gewerkschaften auf, auf Kita-Streiks zu verzichten und stattdessen an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Streiks in einem so sensiblen Bereich wie der Kinderbetreuung schaden vor allem den betroffenen Eltern und Kindern", sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Daher sei Kompromissbereitschaft statt Eskalation gefragt. Tragfähige Lösungen für die Beschäftigten im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst werde es nur über den Verhandlungsweg geben, der "längst nicht ausgeschöpft" sei, betonte Articus. Zuvor hatte die Urabstimmung der Gewerkschaften ein klares Votum für einen Streik ergeben. (luk/KNA/dpa)