Kirchen besorgt über antisemitische Tendenzen
Deutsche Kirchenvertreter sind besorgt über antisemitische Tendenzen. In einem Grußwort zum jüdischen Neujahrsfest Rosch Haschana verurteilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, den politischen und kulturellen Einfluss rechtspopulistischer Bewegungen und Parteien in vielen europäischen Ländern. Weiter beklagte er in dem Schreiben an den Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, "die Renaissance nationaler Egoismen und nicht zuletzt auch eine zunehmend aggressive Rhetorik".
Kardinal Marx: Respekt vor dem anderen stärken
Die Zunahme antisemitischer Äußerungen und Ausschreitungen dürfe nicht hingenommen werden, betonte der Münchner Erzbischof. Notwendig sei darüber hinaus, "die moralischen Grundlagen öffentlicher Debatten zu stärken, den Respekt vor dem anderen, auch wenn er andere Meinungen vertritt, die Achtung der Freiheitsrechte, vor allem auch der Religionsfreiheit, den Schutz von Minderheiten und nicht zuletzt auch die moralische Pflicht, dem anderen mit Wohlwollen zu begegnen."
Juden und Christen gestalteten die politische Kultur mit, fügte der Vorsitzende der Bischofskonferenz hinzu. "Deshalb ist es auch unsere Aufgabe, die normativen Grundlagen unseres Zusammenlebens zu stärken. Zur politischen Kultur dieses Landes rechne ich ausdrücklich auch die Erinnerungskultur, die sich in den vergangenen Jahrzehnten herausgebildet hat und gegenwärtig von manchen angefragt wird."
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte Juden Unterstützung gegen Antisemitismus zu. Er sei erschüttert über Antisemitismus und Hass gegen Juden, der sich in der jüngeren Vergangenheit immer offener zeige, so Woelki. "Ich wünsche Ihnen und uns die Kraft, insbesondere die vor uns liegenden gesellschaftlichen Herausforderungen gemeinsam anzugehen und ein friedliches und wohlwollendes Miteinander zu gestalten".
Berliner Bischöfe: Kirchen stehen Judentum zur Seite
Auch Berlins Erzbischof Heiner Koch und sein evangelischer Amtskollege Markus Dröge verurteilten Judenfeindlichkeit nachdrücklich. "Als Kirchen stehen wir an Ihrer Seite, um jeglicher Form von Antijudaismus, Antisemitismus und Rassismus entgegenzutreten", heißt es in Schreiben an die Jüdischen Gemeinden von Berlin und Brandenburg sowie an den israelischen Botschafter.
Das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana wird von Sonntag bis Dienstag gefeiert. Für Juden bricht damit das Jahr 5779 an. (rom/KNA)