Kleine Leute, großer Druck
Bei dessen Vorstellung in Berlin wurden jetzt konkrete Forderungen formuliert, um den jungen Menschen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Auch die Kirche sieht Bedarf.
Zehn Jahre, von 2000 bis 2010, lief die Analyse von Unicef, nach der knapp neun Prozent der deutschen Kinder sieben Jahre oder länger in einem Haushalt lebten, der mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens auskommen musste. Als besonders problematisch bewerten die Autoren, dass längerfristige Armut in der Kindheit auch Auswirkungen auf das Leben als Erwachsener haben kann.
"Wir dürfen nicht hinnehmen, dass eine große Gruppe von Kindern einfach abgehängt wird", forderte deshalb Jürgen Heraues, der Vorsitzende von Unicef in Deutschland. Und der Soziologe Hans Bertram, Herausgeber der Berichts, ergänzte: "Wir müssen die am stärksten benachteiligten Kinder frühzeitiger und umfassender unterstützen".
Kinderarmut und die lebenslangen Folgen
Mit diesen Forderungen steht Unicef nicht allein da. "Die Studie zeigt, dass Kinder- und Jugendarmut das ganze Leben prägt", erklärte Lisi Maier, Bundesvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)gegenüber katholisch.de. "Gelernte Hoffnungslosigkeit" mache es den benachteiligten Kindern schwerer, die Herausforderungen im weiteren Leben zu meistern. Sowohl Unicef als auch der BDKJ fordern daher ein Grundeinkommen für Kinder und Jugendliche, um ihre Chancengleichheit in Bezug auf die gesellschaftliche Teilhabe zu gewährleisten.
Noch ein weiteres Studienergebnis lässt aufhorchen. So klafft in Deutschland eine große Lücke zwischen den vergleichsweise guten objektiven Daten und der schlechten subjektiven Selbsteinschätzung der jungen Generation. Denn geht es um die eigene Bewertung ihrer Lebenszufriedenheit, katapultieren sich die deutschen Jugendlichen im internationalen Vergleich auf einen der hintersten Plätze. Unicef führt das auf die Tatsache zurück, dass Kinder in Zeiten von G8 und Pisa-Studien verstärkt an ihrer Leistung und ihrem Nutzen für die Gesellschaft "gemessen" würden.
Kinder als Humankapital
Das sieht Lisi Maier ähnlich: "Die Leistung steht im Vordergrund, während die Persönlichkeit der einzelnen Kinder gar nicht mehr so sehr im Blick ist". Roland Fehrenbacher, Leiter des Referats "Kinder, Jugend, Familie, Generationen" beim Deutschen Caritasverband weist wiederum auf einen Aspekt hin, den er mit dem Fachwort "Zeitverzweckung" umschreibt: So hätten Kinder neben Schule und freizeitlichen Aktivitäten oft kaum noch Spielräume, Zeit selbstbestimmt zu gestalten. "Man darf sie aber nicht nur als Humankapital und knappe Ressource betrachten, die später einmal wirtschaftlichen Erfolg garantieren sollen", resümiert er.
Die in der Studie formulierte Forderung, den Anteil von Kindern in verfestigter Armut in den kommenden vier Jahren zu halbieren, ist aus Fehrenbachs Sicht jedoch sehr ambitioniert: "Prekäre Situationen in Familien werden oft an die nächste Generation weitergegeben. Diesen Kreislauf in vier Jahren zu durchbrechen, erscheint mir schon ein sehr hochgestecktes Ziel", erklärt er. Die Erfahrungen aus der Arbeit mit armen Kindern zeige, dass es einen langen Atem und Geduld erfordere, um ihnen nachhaltig zu helfen.
Von Gabriele Höfling
Direkt an den Nachwuchs wenden sich die katholisch.de-Kinderseiten mit kindgerechten Infos zum katholischen Glauben, Festen wie Ostern oder Pfingsten und zu Jesus und den anderen "Superstars" aus der Bibel. Auch Spiele und Basteltipps dürfen nicht fehlen.