Koch: Kirchliches Eheverständnis mutiger vertreten
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat die Kirche dazu aufgerufen, das kirchliche Eheverständnis mutiger und offensiver in den gesellschaftlichen Diskurs einzubringen. "Vielleicht ist der Bedeutungswechsel des Ehebegriffs, den der Bundestag für den staatlichen Sprachgebrauch beschlossen hat, ein kräftiger Impuls, den Schatz der Ehe aus dem Geheimnis des Glaubens neu ans Tageslicht zu heben", schrieb Koch neun Monate nach der Bundestags-Entscheidung zur "Ehe für alle" in einem Beitrag für die "Herder Korrespondenz" (April-Ausgabe).
"Die Ehe als Sakrament ist in katholischer Sicht die dauerhafte und ganzheitliche Verbindung eines Mannes und einer Frau", betonte der Erzbischof. Zugleich könne es aber nicht dabei bleiben, dass die Kirche "die Liebe und die Verlässlichkeit gleichgeschlechtlicher Menschen" nicht genügend wertschätze und ihre Lebenserfahrung und Lebensweisheit nicht auch als Bereicherung für die Kirche annehme. "Erst auf dem Hintergrund solcher Annahme werden wir auch das Sakrament der Ehe in seiner Besonderheit und spezifischen Bedeutung nahebringen können", schrieb Koch.
Erzbischof kritisiert Berichterstattung der Medien zur "Ehe für alle"
Der Bundestag hatte im Juni vergangenen Jahres mit deutlicher Mehrheit für die "Ehe für alle" votiert; seit Oktober können homosexuelle Paaren deshalb in Standesämtern die Ehe schließen. Die katholische Kirche hatte diese Entscheidung des Parlaments scharf kritisiert.
Der Bundestags hat für die "Ehe für alle" gestimmt. Mehrere deutsche Bischöfe bedauern die Entscheidung. Die evangelische Kirche wählt dagegen einen anderen Weg. (Artikel von Juni 2017)
Koch bemängelte in seinem Beitrag auch die Berichterstattung der Medien rund um Bundestags-Entscheidung. Es sei erstaunlich, wie wenig manche Medien die Argumente der Befürworter der "Ehe für alle" hinterfragt und wie sehr sie zum Teil selbst "ein geradezu missionarisches Sendungsbewusstsein" für die gleichgeschlechtliche Ehe an den Tag gelegt hätten. Er selbst, so Koch weiter, sei von den Medien in dieser Zeit oftmals als "Vertreter einer angeblich überholten und der Weite des menschlichen Lebens nicht gerecht werdenden gestrigen Ordnungsauffassung" eingeladen worden.
Koch plädiert für "Sprachkurs des Herzens"
Vor diesem Hintergrund betonte der Erzbischof die Notwendigkeit, "das Spezifikum des christlichen Glaubens" im gesellschaftlichen Diskurs verständlicher und prägnanter zu formulieren. Die Debatte um die "Ehe für alle" habe deutlich gezeigt, dass "zwischen der Kirche und vielen Menschen eine Sprachfremdheit besteht, die ein Aufeinanderhören und ein gegenseitiges Verstehen nicht nur erschwert, sondern oft fast gänzlich ausschließt", so Koch. Es bleibe deshalb Aufgabe der Kirche, "den christlichen Glauben eindrucksvoll in die öffentliche Atmosphäre einzubringen".
Koch schlug dafür einen "Sprachkurs der Herzen" vor. Die Kirche müsse geduldig und offen die Sprache der Menschen lernen und um Verständigung mit "kirchlichen Fremdsprachlern" bemüht sein, die oftmals noch nie in ihrem Leben in eine religiöse oder kirchliche Denk- und Lebenswelt eingeführt worden seien. "Solches gegenseitiges Verstehen wächst aus einer Haltung der gegenseitigen Achtung und Aufmerksamkeit füreinander", betonte Koch. (stz)