Koch zu Debattenkultur: Machen wir es mehr wie Petrus und Paulus
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch blickt mit Sorge auf die Debattenkultur in der Gesellschaft. "Immer mehr Menschen wollen sich nicht auf die Ansichten anderer einlassen, bleiben unter Gleichgesinnten, schotten sich ab", sagt Koch in seinem neuen "Wort des Bischofs" für den Berliner Radiosender rbb 88.8, das am Samstag ausgestrahlt wird. Er beobachte mit Sorge, dass der gemeinsame Diskurs immer öfter als Angriff auf die eigene Meinung gesehen werden. "Anstatt mit klaren Argumenten zu diskutieren, wird Sachlichkeit mit oft unbeherrschten Emotionen vermischt. Manchmal geht es so weit, dass viele gar nicht mehr ihre Meinung zu sagen wagen, zum Teil aus Angst, verletzt oder direkt verurteilt zu werden."
Miteinander zu streiten sei nichts Schlechtes, so der Erzbischof weiter. "Im Gegenteil: Diskussionen und Debatten können neue Wege aufzeigen." Deswegen sei es wichtig, die Meinung anderer auszuhalten, anzuerkennen und offen dafür zu sein, dass auch das andere Argument richtig sein und man von anderen lernen könne. "Die Antworten auf die komplexen Herausforderungen unserer Zeit sind nicht nur schwarz und weiß. Erkennen wir auch die vielen Graustufen an."
"Um gute und wahre Lösungen ringen"
Koch erinnerte in diesem Zusammenhang an die beiden Apostel Petrus und Paulus. Beide hätten nicht unterschiedlicher sein können: "Petrus war ein Fischer aus Galiläa, Paulus ein großer Gelehrter. Zwei Menschen aus unterschiedlichen Familien- und Kulturkreisen und aus ungleichen Lebensbedingungen. Petrus ist Jesus als Wegbegleiter gefolgt, Paulus hat die Christen zunächst verfolgt." Trotz dieser Unterschiede hätten sich ihre Wege gekreuzt und sie hätten zueinander gefunden. "Sie haben heftig miteinander gestritten und doch eine gemeinsame Ebene gefunden. Im gemeinsamen Glauben an Jesus Christus." Am Montag begeht die Kirche das Hochfest Peter und Paul, das an die beiden Apostel erinnert.
Wenn Petrus und Paulus sich aus allem herausgehalten hätten, hätte es das Christentum laut Koch in seiner ganzen Universalität nicht gegeben. "Wir Christen sind dazu aufgerufen, uns nicht rauszuhalten, sondern gemeinsam miteinander, um gute und wahre Lösungen für unsere Gesellschaft und Kirche zu ringen", so der Erzbischof. (stz)