Kolping im Herzen
Doch was treibt einen Wallenhorster, der in Wilhelmshaven Medizininformatik studiert hat, überhaupt nach Unterfranken? "Meine Frau Renée kommt aus dem Ort." Das Paar lernte sich bei der Kolpingjugend Deutschland kennen und lieben. Eine Stelle in der neuen Heimat fand der IT-Projektleiter sofort. Auch politisch ging es für Liening-Ewert dann bergauf: Im März gewann der CSU-Politiker mit über 55 Prozent die Kommunalwahlen in Bayern.
Seitdem hat der 1000-Seelen-Ort Hendungen in Unterfranken einen neuen Bürgermeister - aus Wallenhorst. "Eigentlich habe ich mich schon immer für Politik interessiert, auch als Jugendlicher", verrät er. "Und der eigentliche Auslöser für mein politisches Engagement war die Kolpingjugend." Im Diözesanverband Osnabrück hatte sich Florian Liening-Ewert schnell eingelebt. "Ich wollte einfach mitreden können und mich engagieren." Was folgte, war der klassische Weg bei der Jugendverbandsarbeit: Gruppenstunden, Ferienlager, politische Bildung, und und und.
In die Arbeit hineinwachsen
Dem damals 19-Jährigen gab die Verbandsarbeit Rückenwind. "Es blieb ja nicht bei der typischen Jugendarbeit wie in meiner Heimatgemeinde in Wallenhorst. Ich wollte meiner Stimme ein Sprachrohr geben und das konnte ich wunderbar umsetzten," sagt er. "Wer ehrenamtlich bei der Kolpingjugend mitmacht, der arbeitet freiwillig am kirchlichen und zivilen Leben mit." Das spiegele sich in allen Lebensbereiche wider. "Es war rundum eine gute Schule, in der ich unheimlich gewachsen bin", erzählt Liening-Ewert. Und zwar so sehr, dass er später sogar Bundesleiter der Kolpingjugend Deutschlands wurde.
Dass es bei der Arbeit in einem katholischen Jugendverband auch mal Schwierigkeiten gebe, sei normal. "Menschen aller Altersstufen arbeiten hier Hand in Hand zusammen. Logischerweise kommt es hier und da zu Reibereien." Aber auch die hat Florian Liening-Ewert gemeistert. "Ich habe von Grund auf gelernt, wie Verbandsarbeit funktioniert und was Jugendliche bewegen können."
Der christliche Glaube verbindet
In Deutschland gibt es rund 50.000 Mitglieder in 2.800 Kolpingfamilien aus allen Bistümern. Sie alle verbindet der christliche Glaube miteinander. "Er ist es, der uns in unserer ehrenamtlichen Arbeit zusammenhält und der die Persönlichkeit formt," sagt Liening-Ewert. Vom Ehrenamt muss er nun jedoch deutlich kürzer treten. Ab 1. Mai tritt er sein Amt als Bürgermeister im unterfränkischen Hendungen an. "Ich bin meinem Schwerpunkt der (Jugend-)Politik treu geblieben und starte nun mit Kolping im Herzen voll durch."
Von Anna Eckart
In einer Serie zu den bevorstehenden Europa- und Kommunalwahlen in vielen Bundesländern, beschäftigt sich katholisch.de mit dem politischen Engagement katholischer Jugendlicher und Jugendverbände. Hier finden Sie die bisherigen Themen der Serie: "Führungszeugnis? Ohne mich!" Podiumsdiskussion in Haltern am See"Schüler brauchen eine 35-Stunden-Woche" Interview mit Lisi Maier"Kolping im Herzen" Porträt von Florin Liening-Ewert