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Krisen belasten junge Deutsche – Höhere Anfälligkeit für Sekten

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Im Gegenlicht eines Fensters sieht man nur die reflektierenden Brillengläser und die vor der Brust nach oben gehobenen Hände eines Menschen.
Mainz/Berlin - Weil jüngere Menschen durch die globalen Krisen besonders verunsichert sind, geraten sie stärker in den Fokus sektenähnlicher Gruppierungen. Experten und Politiker sind besorgt.

Jüngere Menschen in Deutschland fühlen sich stärker durch Krisen belastet als ältere. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des SWR. Demnach gaben 69 Prozent der Befragten zwischen 18 und 34 Jahren an, sich derzeit aufgrund von Krisen stark oder sehr stark belastet zu fühlen. Über alle Altersgruppen hinweg lag der Anteil bei 58 Prozent.

Rund jeder Dritte in der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen gab zudem an, stärker als früher auf Sinnsuche oder der Suche nach Halt oder Gemeinschaft zu sein. Für die Erhebung wurden den Angaben zufolge Ende September rund 1.300 Personen befragt. Der dazugehörende SWR-Beitrag "Im Sog der Sekten – So wollen Dich Shincheonji, Scientology und Co. verführen" ist ab sofort in der ARD-Mediathek zu sehen.

"Goldenen Zeiten für Sekten"

Experten sehen angesichts solcher Ergebnisse eine erhöhte Anfälligkeit Jugendlicher für Sekten und ähnliche Gruppierungen. Claudia Neu, Soziologin der Universität Göttingen, spricht gar von "goldenen Zeiten für Sekten". Viele junge Menschen hätten die Corona-Pandemie psychisch nicht gut verkraftet und seien durch anhaltende Krisen verunsichert. Einsamkeit und das Gefühl, mit Sorgen und Nöten nicht ernst genommen zu werden, seien in dieser Altersgruppe deutlich ausgeprägter. Das Unsicherheitsgefühl machten sich sektenähnliche Gruppierungen zunutze – nicht zuletzt durch die Sozialen Medien, so die Expertin.

Eine ergänzende SWR-Recherche bestätigt diese Einschätzung: Demnach gaben bei einer bundesweiten Befragung die Hälfte aller Sekten-Beratungsstellen an, dass Jugendliche und junge Erwachsene in den vergangenen fünf Jahren stärker in den Fokus von Sekten und sektenähnlichen Gruppierungen gerückt seien. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Misbah Khan, forderte in diesem Zusammenhang mehr staatliche Unterstützung – etwa mit Blick auf die Sekten-Beratungsstellen. Diese liegen häufig in der Verantwortung der Kirchen, entsprechende staatliche Angebote gibt es nur selten.

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