Kritik und Lob
"Statt entschieden und konsequent die Entmilitarisierung der internationalen Beziehungen zu betreiben, orientiert sich die EU immer noch an einer konfrontativen sicherheitspolitischen Rahmenkonzeption", so Grosse weiter. Die EU sei immer wieder in völkerrechtlich zumindest fragwürdige kriegerische Unternehmungen verwickelt.
Auch Amnesty International (AI) äußerte sich kritisch. Insbesondere die Asyl- und Flüchtlingspolitik der EU sei "eines Friedensnobelpreisträgers nicht würdig", sagte AI-Generalsekretär Wolfgang Grenz in Berlin. Auf der Flucht nach Europa seien allein im vergangenen Jahr mindestens 1.500 Menschen im Mittelmeer gestorben. Dafür trage die EU mit ihrer Abschottungspolitik Mitverantwortung. "Die europäischen Zentralstaaten nehmen EU-Außengrenzstaaten zu selten Asylsuchende ab", so Grenz weiter.
Renovabis: Ehrung für "größtes Friedensprojekt der Geschichte"
Das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis begrüßte dagegen die Entscheidung des Osloer Nobelkomitees. Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU werde eines der "größten Friedensprojekte der Geschichte" gewürdigt. Die Ehrung für Europa zeige, welch historische Errungenschaft die bisherige europäische Integration sei.
Der Friedensnobelpreis wird traditionell am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Oslo verliehen. Für die Europäische Union werden Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und Parlamentspräsident Martin Schulz den Preis entgegen nehmen. Außerdem werden zahlreiche europäische Staats- und Regierungschefs, unter ihnen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), zu der Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt erwartet. Mit dem Preisgeld des Friedensnobelpreises in Höhe von umgerechnet rund 930.000 Euro will die EU Projekte für Kinder in Kriegs- und Konfliktregionen unterstützen. (stz)