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Sorbische Katholiken befürchten Bergbau in der der Nähre ihres Wallfahrtsortes

Lausitzer Lourdes bedroht

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Rosenthal - Rosenthal ist ein traditionsreicher Wallfahrtsort der Oberlausitz. Aber wie lange noch? Eine Firma, die das Mineral Kaolin abbaut, macht Probebohrungen rund um das Dorf.

Die Firma baut Kaolin ab, ein weißes Mineral, das zur Porzellanherstellung verwendet wird. Auch für die Papierproduktion und die Herstellung von Kosmetik, Farben oder Gummi wird die weiße Tonerde benötigt. 117 Mitarbeiter förderten im vergangenen Jahr 190.000 Tonnen Kaolin, was einem Umsatz von 21 Millionen Euro entspricht. Vier Probebohrungen hat das Unternehmen in unmittelbarer Nähe des Wallfahrtsortes gemacht. Weitere Bohrungen sind nach Unternehmensangaben für 2015 geplant.

Rafael Ledschbor sieht den sorbischen Wallfahrtsort dadurch gefährdet. Der 48-Jährige wohnt im Nachbarort und ist Redakteur der sorbischen Kirchenzeitung "Katolski Posoł" (dt. Katholischer Bote). "Rosenthal steht in der Liste der möglichen Abbaugebiete zwar an letzter Stelle, weil es weit entfernt vom Kaolinwerk ist", sagt Ledschbor.

Ist die Qualität des Kaolins für die Zukunft entscheidend?

Die Qualität des Rosenthaler Kaolins scheint jedoch besonders gut zu sein. "Dadurch könnte Rosenthal in der Liste wieder nach vorne rücken", sagt der Journalist, der sich schon lange mit dem Thema beschäftigt. "Ich habe auch mit den Verantwortlichen vom Kaolinwerk zusammengesessen", so Ledschbor. Er betrachtet den ganzen Vorgang deutlich nüchterner als manch anderer in der Region. "Einige haben dem Unternehmen unterstellt, es wolle jemanden über den Tisch ziehen. Davon kann überhaupt keine Rede sein", sagt er. Dennoch betrachtet Ledschbor die Probebohrungen auch mit Argwohn. Ein Tagebau in unmittelbarer Nähe zum Wallfahrtsort würde das "Gesamtensemble" massiv beeinträchtigen.

Dieses "Gesamtensemble" Rosenthal kann auf eine lange Tradition als Wallfahrtsort zurückblicken. Ein Feldherr Karls des Großen soll einst auf einem Feldzug eine Marienstatue dort zurückgelassen haben. Der Ritter Lucian von Zerna soll sie später in einer Linde entdeckt haben, als er einer weißen Frau folgte. Tatsächlich ist das Gnadenbild eine Lindenholzstatue, die um 1480 entstanden ist. Die Hl. Jungfrau Maria ist mit Kind dargestellt, eine Besonderheit dabei ist die Birne, die das Jesuskind in der Hand hält. Die ersten Wallfahrten sind in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts nachzuweisen; nach der Kirchenspaltung trug der Wallfahrtsort zum Erhalt des katholischen Glaubens in der Umgebung wesentlich bei.

Dem Wasser des Marienbrunnens wird nachgesagt, dass es heilende Wirkung hat. Beide Diktaturen - Nationalsozialisten und Kommunisten – versuchten den Wallfahrtsort auszulöschen. Für die sorbische Identität ist Rosenthal ein Leuchtturm, ein Ort der den Sorben geholfen hat, auch in den finsteren Zeiten des 20. Jahrhunderts mit ihrer Kultur, ihrer Sprache und ihrem Glauben zu überleben.

"Den Ort wegzubaggern steht ja nicht zur Diskussion"

"Den Ort wegzubaggern steht ja nicht zur Diskussion", sagt Ledschbor. Das Unternehmen wolle keine Siedlungsflächen zerstören, so wie es die Braunkohle-Tagebaue in unmittelbarer Umgebung sonst tue. Das Ambiente eines spirituellen Ortes sei natürlich eingeschränkt, wenn sich dort Industrie ansiedelt – egal welche, erklärt er. "Wir sind also nicht gegen den Kaolin-Abbau, sondern gegen die Industrialisierung unserer Landschaft."

Eine Befürchtung konnte bisher nicht ausgeräumt werden: dass die heiltätige Marienquelle versiegt. "Das Unternehmen hat mir versichert, dass das Grundwasser nur um zehn Zentimeter sinken würde", berichtet der Redakteur. Doch habe er auch mit einem externen Bergbauspezialisten gesprochen. Und der sieht das anscheinend anders. "Er hat mir gesagt, dass bei einem solchen Tagebau das gesamte geologische Gefüge zerstört wird."

Von Markus Kremser

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