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Politiker und Kirchenvertreter diskutieren über die Zukunft Berlins

Liebe Deine Großstadt!

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Die Skyline von Berlin, links der Reichstag, rechts der Fernsehtumr, im Vordergrund die Spree.
Berlin - Die Rolle des Religionsunterrichts, der Umgang mit Flüchtlingen und die Herausforderungen, vor denen Familien in der Hauptstadt stehen, waren einige Themen, die am Wochenende bei einer Diskussionsveranstaltung in der Katholischen Akademie in Berlin angesprochen wurden.

Unter dem provokanten Motto "Liebe Deine Großstadt wie Dich selbst! – Perspektive 2020 für Berlin …" hatten Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki und der Vorsitzende des Diözesanrats der Hauptstadt, Wolfgang Klose, politisch und gesellschaftlich engagierte Katholiken des Bistums eingeladen.

Gewaltsamer Tod von Jonny K.

Auf dem Podium diskutierten unter der Moderation von RBB-Programmdirektorin Claudia Nothelle der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU), die Berliner Grünen-Vorsitzende Bettina Jarasch und Landes-SPD-Chef Jan Stöß über die Zukunft der Hauptstadt. "Das Image von Berlin als Touristenziel mit jährlich über 25 Millionen Gästen ist weltweit gewachsen, aber leider ist die Hauptstadt auch eine Hochburg der Kriminalität", bemerkte zur Einführung der Diözesanratsvorsitzende Wolfgang Klose, und wies damit auf ein permanentes Problemfeld hin, das in die Verantwortung des Innensenators fällt.

Prominentes Podium: Innensenator Frank Henkel (CDU), RBB-Programmdirektorin Dr. Claudia Nothelle, und die beiden Landesvorsitzenden Jan Stöß (SPD) und Bettina Jarasch (Grüne)

Frank Henkel konnte also gar nicht anders, als auf Jugendgewalt, auf den gewaltsamen Tod von Jonny K. unweit des Alexanderplatzes vor einem Jahr, oder auf die von rechten Kreisen initiierten Proteste gegen Flüchtlingsunterkünfte in Berlin-Marzahn einzugehen. Auch er hatte ja in seiner Jugend mit seinem Ostberliner Hintergrund Ausgrenzungserfahrungen machen müssen und erlebt, was Ungerechtigkeit bedeutet. "Zur Liebe zur Hauptstadt gehört auch die Nächstenliebe gegenüber Fremden", sagte Henkel.

Ost und west, arm und reich

Als der Innensenator auf seine Begegnungen mit den Eltern und der Schwester des von Jugendlichen erschlagenen Jonny K. zu sprechen kam, wurde es ganz still im Vortragssaal. "Das macht mich bis heute tief betroffen", erklärte Henkel und verwies in diesem Kontext auf die Worte von Papst Benedikt "über Liebende und jene die unfähig sind zu lieben". Vor diesem Hintergrund diskutierten die Podiumsteilnehmer auch über die Frage eines gemeinsamen Wertefundaments in Berlin, über Toleranz und Gewaltfreiheit, Respekt sowie Anerkennung im Dialog der verschiedenen Religionsgemeinschaften.

SPD-Mann Stöß erklärte, es gebe nicht mehr eine Teilung Berlins zwischen Ost und West, sondern eine Teilung zwischen oben und unten. Er spielte damit auf die wachsende Altersarmut, den expandierenden Niedriglohnsektor und materielle Schwierigkeiten bei Alleinerziehenden oder kinderreichen Familien in der Hauptstadt an. Nicht zu Unrecht bemängelte Grünenpolitikerin Jarasch, dass der Slogan Berlin, sei "arm aber sexy" zu kurz greife und Verantwortungsbewusstsein und Achtsamkeit vernachlässige.

Ihre Forderung nach einem besseren Religionsunterricht in der Hauptstadt, der dort nur ein Wahlfach ist, führte zu spontanem Applaus im Publikum. Eine Teilnehmerin forderte unmissverständlich: "Die Kirche ist reich genug: Bezahlt die Religionslehrer besser und stattet sie ordentlich aus!"

Jugend in den Blickpunkt

Grünen-Politikerin Jarasch ging auch auf die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen in der Hauptstadt ein: Die jungen Leute müssten ernster genommen und besser auf ihre Sprache eingegangen werden, wenn beispielsweise das weitverbreitete Schimpfwort "Du Opfer" auf den Schulhöfen zu hören sei. "Auch Jesus war freiwillig Opfer", sagte Jarasch, die in einer Kreuzberger Gemeinde im Pfarrgemeinderat sowie im ZdK aktiv mitarbeitet. SPD-Politiker Jan Stöß erntete laute Kritik, als er im Zusammenhang mit dem Kita Ausbau vom "fatalen Betreuungsgeld" sprach.

Zum Ende des Gespräches konnten die Gäste aus dem Publikum ihre Fragen stellen. Dabei kamen von Bildung und Erziehung über elterliche Verantwortung bis zur Rolle des christlichen Menschenbildes viele Facetten des Zusammenlebens zur Sprache. Auch die Überschuldungen von Familien, die Rolle sozialer Träger, Zuwanderung auf dem Arbeitsmarkt oder das Zeitbudget von Familien mit Kindern wurden thematisiert. Die Politiker erhielten als Dank von Rainer Maria Kardinal Woelki ein Buch zum Thema "Engel über Berlin" sowie eine Flasche Rotwein aus dem Bistum Trier "zur dortigen Unterstützung des bischöflichen Stuhles" – heiteres Lachen und lauter Applaus vom Publikum …

Von Rocco Thiede

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