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China verordnet regelmäßige Elternbesuche

Liebe per Gesetz?

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Bonn - Die Forderung ist unmissverständlich. "Du sollst Vater und Mutter ehren!" heißt es lapidar im vierten biblischen Gebot; eine besondere Strafe für seine Missachtung wird jedoch nicht ausgesprochen. Der Gott des Alten Testamentes setzt dieses Mal ganz auf höchst irdisches Zuckerbrot, denn Lohn der Elternliebe, so heißt es bei Mose gleich zweifach, sei das eigene Wohlergehen und ein langes Leben auf Erden. Die Bibel bietet hier also nichts anderes als eine frühe Vorform jenes Generationenvertrages an, der bis dato auch das deutsche Rentensystem funktionieren lässt.

Im Reich der Mitte ist man bei der Pflege familiärer Beziehungen seit Neuestem weit weniger zurückhaltend. Dort können Eltern ihre erwachsenen Kinder nach einem jetzt in Kraft getretenen Gesetz unter Androhung von Strafen zu regelmäßigen Besuchen zwingen, gleichgültig, wie weit entfernt die Generationen voneinander leben. Ein Gericht im ostchinesischen Wuxi setzte diese Regelung sogar bereits um: Es verurteilte eine Tochter dazu, ihre 77-jährige gehbehinderte Mutter mindestens alle zwei Monate sowie an zwei nationalen Feiertagen zu besuchen.

Auch Konfuzius mahnte Sorge für Eltern an

Irgendetwas scheint schiefgelaufen zu sein, und das ausgerechnet in einem Land, in dem gute Familienbeziehungen traditionell an der Spitze der gesellschaftlichen Werteskala standen. Die Fürsorgepflicht von Kindern gegenüber ihren alten und gebrechlichen Eltern wurde so hoch geschätzt, dass Konfuzius, Chinas wohl berühmtester Denker und noch heute quasi der Staatsphilosoph von Partei und Regierung in Peking, vor rund zweieinhalbtausend Jahren kategorisch fordern konnte: "Solange deine Eltern leben, sollst du keine weiten Reisen unternehmen."

Für den nach Harmonie und Gleichgewicht strebenden "Meister Kong" wäre es unvorstellbar gewesen, dass Kinder ihre Eltern verlassen, weil sie gezwungen sind, fern ihrer Heimat eine Arbeit zu suchen. Und doch scheint genau das im kommunistisch-kapitalistischen China der Gegenwart mehr und mehr zur Regel zu werden. Nach offiziellen Zahlen befinden sich derzeit rund 230 Millionen Chinesen auf Wanderschaft, um irgendwo im Land ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Selbst der staatliche Auslandsrundfunk Radio China International gibt zu: "Fast hinter jedem Einzelschicksal dieser 230 Millionen Menschen steht ein alterndes Elternpaar, das auf sich selbst gestellt leben muss."

Schattenseite des chinesischen Wirtschaftsbooms

Ein Staat, für den wirtschaftliches Wachstum bislang oberste Maxime zu sein schien, lernt augenscheinlich gerade die Schattenseiten einer Entwicklung kennen, die ihn binnen kürzester Frist zwar unter die globalen Giganten katapultierte, sich nun aber ökologisch und sozial als Desaster entpuppt. Nicht zuletzt als Folge der staatlich verordneten Einzelkind-Strategie altert die Gesellschaft rapide, ein bezahlbares System der Altersvorsorge ist nicht in Sicht. Wenn die Regierung in dieser Situation jetzt regelmäßige Elternbesuche per Gesetz zur Pflicht macht, wirkt das wie der hilflose Versuch, allein mittels dicker Schichten weißer Salbe einen schwerwiegenden Infarkt zu verhindern.

"Du sollst Vater und Mutter ehren!" Diese einfache Verkehrsregel ist kein Relikt überholter religiöser Schwärmerei. Ganz im Gegenteil: Sie könnte sich als notwendige Basis erweisen, um langfristige soziale Stabilität zu sichern. Vielleicht steckt in den Werken eines fernöstlichen Philosophen und in der Heiligen Schrift gleich zweier Weltreligionen doch mehr Weisheit als in der nur scheinbaren Vernunft eines Wirtschaftssystems, das von Krise zu Krise torkelt.

Von Uwe Bork

Informationen zu China

Der Artikel "Der Glaube und die Freiheit" gibt aktuelle Informationen über die Lage von Christen in China.

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