Marx: Gegen Angststimmung angehen
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hält nichts davon, angesichts von Globalisierung und weltpolitischer Lage in Resignation zu verfallen. Jeder Mensch sei ein Geschenk Gottes für die ganze Welt, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz der "Mediengruppe Münchner Merkur/tz" (Wochenende). Deshalb gehe es darum, herauszufinden, was die eigene Sendung sei. Jeder Einzelne könne vor der eigenen Haustür anpacken. Vor allem aber Christen müssten sagen, es gebe kein Naturgesetz, dass jetzt alles abwärtsgehe. "Wir müssen gegen die Angst-Stimmung angehen."
Zugleich räumte Marx ein, dass auch er sich manchmal ohnmächtig fühle. Als Beispiel verwies der Erzbischof von München und Freising auf das bevorstehende Wahljahr. "Ich frage mich: Wie viel Polemik, wie viele Hass-E-Mails kommen da eventuell auf mich oder auch auf die Politiker zu?" Manche würden ihm schreiben, dass er als Kardinal seinen politischen Einfluss geltend machen solle. Doch auch für ihn gelte, dass er letztlich das tue, was jeder in seinem Bereich tun könne: nämlich deutlich machen, dass Worte des Hasses, der Verunglimpfung und des Rassismus keinen Platz haben dürften.
In den sozialen Netzwerken kann sich heute jeder über alles informieren und seine Meinung ausdrücken. Doch dies Möglichkeit kann auch für Beleidigungen und Hetze genutzt werden. Was kann man dagegen tun? (Artikel von Oktober 2016)
Nach den Worten des Kardinals gilt es, der Hetze und der Lüge entgegenzutreten. Dabei habe es jeder in der Hand, ob er die sozialen Netzwerke für Hassbotschaften oder für etwas Positives nutze. Angesprochen auf Papst Franziskus meinte Marx, dieser sei "ein Typ, der immer mal wieder die Verhältnisse zum Tanzen bringt". Wenn eine Gesellschaft sich nur noch am Althergebrachten festklammere, sei sie nicht mehr innovativ und hoffnungsvoll. Da könne die Lust auf Leben, Familie, Zukunft leicht verloren gehen.
Immer wieder die Verhältnisse infrage stellen
Viele hielten die Kirche für konservativ, gab der Erzbischof zu bedenken. Doch wenn das so wäre, dann wäre das Christentum in der falschen Spur gelandet. Kirche müsse immer wieder die Verhältnisse infrage stellen. Das sei übrigens auch etwas sehr Bayerisches, sagte der gebürtige Westfale. "Einerseits wollen die Bayern einen starken Typen an der Spitze, lieben das Beständige. Andererseits sind sie rebellisch und aufrührerisch und wollen auch Veränderung. Das finde ich gut." (KNA)