Marx: Journalismus muss Menschenwürde und Vielfalt verteidigen
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sieht die Wahrung und Verteidigung von Menschenwürde als wichtigste Aufgabe des Journalismus. "Der Mensch muss im Mittelpunkt bleiben – auch und gerade der Mensch, der keine Lobby und keine Reichweite hat", schreibt er in einem Gastbeitrag für das Verbandsmagazin der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP).
Menschenwürde im Journalismus heiße konkret, Menschen, über die berichtet wird, nicht zu entwürdigen, sie nicht zum Objekt, nicht zum bloßen Vehikel einer Erzählung zu machen, fügte er hinzu. "Es heißt, der Versuchung zu widerstehen, aus dem Leid eines Einzelnen Aufmerksamkeit zu schlagen."
Wahrheit wichtiger als Reichweite
Marx appellierte weiter an die Journalistinnen und Journalisten, auch "die Vielfalt der Stimmen gegen jede Macht, die sich zur alleinigen Deuterin der Wirklichkeit aufschwingt, zu bewahren. Halten wir an einem Journalismus fest, der der Wahrheit mehr verpflichtet ist als der Reichweite!"
Außerdem pochte der frühere Medienbischof der Bischofskonferenz auf die Wahrung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter. Medienschaffende müssten wirksam davor geschützt werden, dass ihre Werke ohne angemessene Beteiligung zur "billigen Ressource" für die Geschäftsmodelle großer Technologieunternehmen werden.
Mahnung auch an Kirche selbst
Die Mahnung, sich an Fakten und an die Wahrheit zu halten, richtete Marx auch an die Kirche selbst. Papst Leo XIV. erinnere daran, "dass wir auch als Kirche an einer transparenten Kommunikation und einer ehrlichen Suche nach Fakten mitwirken müssen – und dass dies nicht immer überall der Fall gewesen ist". Genau deshalb könne die Kirche diese Maßstäbe nur dann glaubwürdig vertreten, wenn sie ihnen auch in ihrer eigenen Kommunikation gerecht werde.