Minister Müller: Kein Keil zwischen CSU und Kirchen
Entwicklungsminister Gerd Müller hat sich nach Misstönen zwischen der CSU und den Kirchen in der Flüchtlingskrise für ein vertieftes Miteinander ausgesprochen. "Wir müssen auf die Kirchen zugehen und sie auch verstehen", sagte Müller am Rande der Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten im oberbayerischen Kloster Seeon. "Aber die Kirchen müssen auch die Realität akzeptieren, dass es Grenzen gibt", sagte er mit Blick auf die Haltung der CSU zur Begrenzung der Zuwanderung. Er betonte jedoch: "Es gibt keinen Keil zwischen der CSU und den Kirchen."
CDU-Arbeitskreis lobt kirchliche Flüchtlingshilfe
Lob für ihre Flüchtlingshilfe erhielten die Kirchen derweil vom evangelischen Arbeitskreis (EAK) der baden-württembergischen CDU. Mit dieser Arbeit setzten die Kirchen christliche Werte wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit in die Tat um und trügen zu einem von Hilfsbereitschaft geprägten gesellschaftlichen Klima bei, betonte die EAK-Landesvorsitzende Sabine Kurtz in Leonberg. Die Kirchen setzten erhebliche finanzielle Mittel ein. Die kirchliche Flüchtlingshilfe sei von zahlreichen Ehrenamtlichen getragen und durch hauptamtliche Strukturen in den Kirchengemeinden, Dekanaten und Kirchenbezirken begleitet.
CSU-Politiker Müller fordert die Kirchen auf, sich in politischen Debatten verstärkt zu äußern. "Es gibt ein Weltethos gemeinsamer verbindender Werte der Religionen." Das seien das Recht auf Leben, Recht auf Nahrung, Toleranz, Einhaltung der Menschenrechte. "Hier sind sich Muslime, Christen, Hinduisten - die großen Religionen, aber auch die kleinen der Welt einig." Der Papst habe wichtige Anstöße gegeben. "Aber es muss eine weltweite Bewegung werden." Es müssten die verbindenden Werte und nicht das Trennende in den Vordergrund gestellt werden.
Müller verwies auf einen von seinem Ministerium initiierten Dialog der Weltkirchen - eine Religionspartnerschaft. "Das werden wir in diesem Jahr mit einer Reihe von Initiativen verstärken. Wir sind die Christen in der Politik. Das heißt, der Starke hilft den Schwachen."
Müller: "Geiz ist geil" ist keine Haltung
Er bedauerte Debatten in Deutschland über "sehr wohlstandsorientierte Themen". Müller: "Wir gehen mit der Haltung 'billig, Geiz ist geil' in den Supermarkt und kaufen das Kilo Bananen für 99 Cent und greifen zur billigsten Kaffeebohne - und wissen, dass Kinder in Afrika zu sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten müssen. Hier ist ein neues Bewusstsein nötig."
Die CSU hatte am Donnerstagabend den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, zu einem Gespräch ins Kloster Seeon eingeladen. (gho/dpa/KNA)