Mut zum Mahnen
Mit einer gewissen, fast zu großen Selbstverständlichkeit wurde am Sonntag die Wahl des neuen Bundespräsidenten quittiert. Gerade aus christlicher Sicht ist jedoch die Bedeutung der Tatsache nicht zu unterschätzen, dass mit Frank-Walter Steinmeier wieder ein bekennender Protestant als Nachfolger von Joachim Gauck gewählt wurde. Das neue Staatsoberhaupt ist beispielsweise der Kirchentagsbewegung eng verbunden.
Ein Präsident darf und sollte seinen Glauben nicht vor sich her tragen. Das Entscheidende ist auch nicht die Empathie für kirchliche Interessen. Angesichts der weiterhin instabilen Situation im Euro-Raum, der für die Demokratie gefährlichen Entwicklungen in Ungarn oder Polen und jetzt dem neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump mit seinem Aktivismus ist es gut, einen besonnenen und diplomatisch erfahrenen Politiker an der Spitze des Staates zu haben. Vor allem, wenn er wie der zweimalige Bundesaußenminister Steinmeier von seinen christlichen Überzeugungen her einen besonderen Zugang zum gefährdeten Projekt Europa und seinen Werten hat.
Der Bundespräsident hat vergleichsweise wenig politische Macht – aber eben doch unvergleichliche Möglichkeiten, allein durch sein Wort zu wirken. Aller Voraussicht nach wird es keine ruhige Amtszeit werden. Der notwendige Mut, von dem der frisch Gewählte am Sonntag gesprochen hat, wird immer auch der Mut zum Mahnen sein müssen. Das gilt nicht zuletzt mit Blick auf die politische Kultur in Deutschland, wo bis hin zur AfD rechtspopulistische Strömungen an Bedeutung gewonnen haben. Auch wenn es darum gehen wird, die Universalität der Menschenwürde zu verteidigen, kann der christliche Hintergrund des neuen Bundespräsidenten nur von Vorteil sein
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