Nach Trump-Gebet: Ordensfrauen kritisieren Bischöfe
Die New Yorker Sisters of Charity kritisieren das Gebet von Bischöfen mit US-Präsident Donald Trump scharf. Christen seien nicht nur dazu gerufen, für Politiker zu beten, sondern auch dazu, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen, schrieben die Ordensfrauen am Wochenende auf ihrem Instagram-Account. Daher sei nicht das Gebet für den Präsidenten das Problem, sondern das, was nicht gesagt worden sei: "Wo blieb die Sorge um die Armen? Um die Einwandererfamilien, die auseinandergerissen wurden? Um diejenigen, die unter der Gewalt des Krieges leiden? Um die Ausgegrenzten, deren Würde bedroht ist? Um das Christentum, das zu einem Instrument politischer Macht verzerrt wird?"
Die Ordensfrauen betonten, dass das keine parteipolitischen Positionen seien, sondern Anliegen des Evangeliums. Zwar könnten sie nicht wissen, was hinter verschlossenen Türen besprochen worden sei. Es sei aber deutlich, was der Welt gezeigt wurde: "Bilder vermitteln Botschaften. Schweigen auch." Moralische Autorität werde nicht daran gemessen, wie nah man an der Macht stehe, sondern wie treu man sich gegenüber denen zeigt, die keine Macht haben. "Die Kirche braucht nicht mehr Fotos von religiösen Führern, die neben den Mächtigen stehen", so die Schwestern. "Sie braucht mehr mutige Zeugen, die neben den Machtlosen stehen."
Am vergangenen Donnerstag haben zwölf Bischöfe im Oval Office für Trump gebetet. Ein Video zeigte, wie der Erzbischof von Denver, James Golka, Gott "für das Geschenk dieses Amtes und dieser Präsidentschaft" dankte. Nach anhaltender Debatte ruderten mehrere beteiligte Bischöfe zurück. Golka betonte, eine Unterstützung Trumps und der republikanischen Partei vor den Zwischenwahlen Anfang September sei kein Ziel des Treffens gewesen. Das Video sei ohne Wissen der Bischöfe aufgenommen worden. Zugleich betonte er, dass er nur getan habe, was katholische Bischöfe immer täten, nämlich für Menschen zu beten und "Menschen segnen, die Segen brauchen".