Neher schlägt Rückkehr-Prämie für Flüchtlinge vor
Zur Situation junger Flüchtlinge mit geringen Chancen auf eine Anerkennung ihres Asylantrags sagte Neher: "Denkbar wäre eine Starthilfe von etwa 1.000 bis 2.000 Euro, damit sie nach einer Ausbildung hier in ihrer Heimat in Albanien, im Kosovo, in Serbien eine eigene Existenz aufbauen." Es sei nicht damit getan, diese Menschen einfach in ihre Heimat zurück zu schicken. Sie müssten in ihrer Heimat auch gute Lebens- und Arbeitsbedingungen erwarten können. "Wir könnten beispielsweise jungen Menschen in der Altenpflege Ausbildungen anbieten", so Neher. Die Fluchtbewegung bedeute für die Länder im Westbalkan einen "enormen Verlust an Know-how und jungen Menschen".
Vom Bund forderte Neher mehr Unterstützung in der Flüchtlingshilfe. "Die Politik muss dazu beitragen, dass die Wohlfahrtsverbände die professionelle Hilfe für das ehrenamtliche Engagement stemmen können." Die Ehrenamtlichen bräuchten "Verlässlichkeit, Koordination und Information". Viele Caritasverbände hätten bereits zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die freiwilligen Helfer personell zu unterstützen. Neher lobte zugleich die Schaffung von 10.000 neuen Stellen im Bundesfreiwilligendienst für die Flüchtlingshilfe.
Keine Vorzugsbehandlung für Christen
Neher sprach sich im Interview zudem gegen eine Vorzugsbehandlung christlicher Flüchtlinge aus. "Das war nie die Haltung unserer Kirche und nie die der Caritas", sagte er der NOZ. Deutschland müsse Menschen aufnehmen, wenn diese Verfolgung erleiden und um ihr Leben fürchten, unabhängig von ihrer Religion. In manchen Ländern würden zwar besonders Christen verfolgt, "aber das Kriterium für die Aufnahme ist das Maß der Verfolgung", so Neher. (kim)
Ob Naturkatastrophen, Armut oder Terror: Täglich verlassen Menschen ihre Heimat, um anderswo ein neues, ein besseres Leben zu beginnen. Die Flüchtlinge kommen auch nach Deutschland. Das bedeutet eine große Herausforderung für Politik, Gesellschaft und Kirche.