Suche
Weltsozialforum in Tunis eröffnet

Netzwerken für eine andere Welt

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Protestmarsch beim regionalen Sozialforum 2012 in Porto Alegre (Brasilien).
Tunis - Es ist das Gegenstück zum Davoser Weltwirtschaftsgipfel, den Wirtschaftstreffen der G8-Staaten und dazu noch eine riesige Ideenbörse. Unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" ist in der tunesischen Hauptstadt Tunis am Dienstag das elfte Weltsozialforum eröffnet worden.

Bis Freitag wollen Gewerkschafter, Globalisierungsgegner und andere Aktivisten über Alternativen zur kapitalistischen Weltordnung diskutieren. Die Organisatoren erwarten zu den Workshops, Konferenzen und öffentlichen Protestveranstaltungen rund 30.000 Teilnehmer.

Die erste Veranstaltung dieser Art fand 2001 im brasilianischen Porto Alegre statt, das Treffen in Tunis ist das erste in einem arabischen Land. Das Stichwort Menschenwürde - zentrales Thema des demokratischen Aufstandes in Tunesien seit Dezember 2010 - steht im Mittelpunkt.

Für das katholische Hilfswerk Misereor ist Benjamin Luig nach Tunis gereist. Das Forum in Nordafrika sei in erster Linie ein wichtiger Ort zur Vernetzung. "Es kommen Akteure von Menschenrechtsgruppen, Frauenverbänden, Nichtregierungsorganisationen oder aus dem kirchlichen Bereich zusammen, die sich sonst so nie treffen würden", sagt er.

Solidarität mit dem Arabischen Frühling

Mit konkreten Forderungen oder Ansprüchen sei Misereor nicht nach Tunis gekommen, so Luig weiter. Vielmehr wolle man sich mit anderen Gruppen über Ideen und Projekte austauchen – so wie auf früheren Weltsozialforen auch. 2011 in Dakar habe man beispielsweisemit afrikanischen Gruppen intensiv über Landgrabbing gesprochen und so viel über das Problem der illegalen Landnahme erfahren.

Das Treffen am Geburtsort des Arabischen Frühlings ist für die Veranstalter auch eine Botschaft der Solidarität an die Bevölkerung. Zwei Jahre nach der Vertreibung der Diktatoren werden Tunesien und Ägypten weiterhin von politischen Unruhen und Spannungen zwischen islamischen Konservativen und westlich orientiertem Bürgertum geprägt.

Das Forum hat sich nach Angaben der Organisatoren zum Ziel gesetzt, die politische Situation in Ländern mit revolutionären Erfahrungen besser verständlich zu machen. Demokratie, soziale Gerechtigkeit, Beschäftigung sowie der Kampf gegen Korruption gehörten zu den größten Herausforderungen.

Für Misereor-Mann Luig leistet das Weltsozialforum neben den vielfältigen Möglichkeiten von Austausch und Vernetzung auch einen Beitrag zur Sensibilisierung für die Probleme dieser Welt.

Erzbischof Schick: Nicht nur wirtschaftlicher Fortschritt

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat die Teilnehmer des Weltsozialforums in Tunis aufgerufen, sich für eine "gerechte und friedvolle Zukunft der Menschheit und der Schöpfung" einzusetzen. Es dürfe nicht nur der wirtschaftliche Fortschritt im Mittelpunkt stehen, sondern es gehe auch um die soziale Entwicklung, sagte Schick, der auch Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz ist.

Die Leitmotive des Forums entsprächen der christlichen Botschaft und dem Evangelium, so Schick weiter. Er erinnerte daran, dass Papst Johannes XXIII. vor 50 Jahren mit der Enzyklika "Pacem in terris" (Frieden auf Erden) die Entwicklung im sozialen Leben um des Friedens willen gefordert hat. Mitten im Kalten Krieg hätte der Papst deutlich gemacht, dass Konflikte nicht mit Waffengewalt, sondern durch Verträge und Verhandlungen beizulegen seien.

Außerdem hätte Johannes XXIII. die Beachtung der Menschenrechte als notwendige Konsequenz des christlichen Verständnisses vom Menschen betont. Diese Äußerungen seien heute brandaktuell, sagte Bischof Schick besonders mit Blick auf die Krisenherde in Syrien und der arabischen Welt. (meu/dpa)

kna-katholisch-swarm-node2 (0.013s)