Neue Professur zum christlich-jüdischen Dialog
Auf Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) richtet die Berliner Humboldt-Universität (HU) eine Stiftungsprofessur für Geschichte und Gegenwart des jüdisch-christlichen Verhältnisses ein. Die Professur werde dem Institut Kirche und Judentum der Theologischen Fakultät der HU zugeordnet und in den kommenden zehn Jahren zunächst von der Volkswagenstiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft finanziell gefördert, so HU-Präsidentin Sabine Kunst am Montagabend bei einem Festakt zur Vorstellung der Professur.
Interdisziplinäre und internationale Ausrichtung
Der inhaltliche Schwerpunkt des neuen Lehrstuhls soll den Angaben zufolge auf der europäischen Neuzeit liegen, wobei insbesondere die Wirkungen von aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und Theologien auf das christlich-jüdische Verhältnis erforscht werden sollen. Neben einer interdisziplinären und internationalen Ausrichtung erwarten sich die Stifter zudem Impulse für die allgemeine und kirchlich geprägte Öffentlichkeit.
Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, hatte die Einrichtung der Stiftungsprofessur im März vergangenen Jahres angekündigt. Die EKD-Synodenpräses Irmgard Schwaetzer sagte bei dem Festakt, die Professur sei auch eine Folge des Reformationsgedenkens. Dabei sei die Forderung entstanden, die "schlimmen antijüdischen Ausfälle der Reformatoren, vor allem Luthers" aufzuarbeiten. Hannovers Landesbischof Ralf Meister äußerte die Hoffnung, dass die Professur die Beschäftigung mit dem Thema auch in den evangelischen Landeskirchen unterstütze.
Blinde Flecken der Forschung aufarbeiten
Kunst betonte, die HU beschäftige sich bereits auf verschiedenen wissenschaftlichen Gebieten mit dem Judentum. Es fehle aber noch eine "Gesamtschau, die auch die blinden Flecken der Forschung aufarbeitet". Dafür seien Berlin und Brandenburg ein idealer Standort, weil es hier zahlreiche jüdische Forschungseinrichtungen gebe. Die HU-Präsidentin erklärte weiter, die Professur sei zudem ein "wichtiger Markstein" zur Öffnung der universitären Forschung für die gesellschaftlichen Debatten. Dabei gehe es auch darum, den wachsenden "Tendenzen zu Antisemitismus und Antijudaismus entgegenzutreten".
Die Stiftungsprofessur wird für die Dauer von zehn Jahren eingerichtet. Im Anschluss daran hat die Universität zugesagt, die Professur in die Theologische Fakultät zu überführen und so nachhaltig in der Universität zu verankern. (stz/KNA)