Ordensmann fordert stärkere Öffnung von Klöstern
Klöster und Ordensleute sollten sich nach Ansicht von Pater Alois Schlachter der Gesellschaft gegenüber stärker öffnen. Man solle die Welt so annehmen, wie sie ist, nicht, wie sie sein sollte, sagte der Rektor des Missionshauses der Missionare vom Kostbaren Blut aus dem schwäbischen Wallfahrtsort Maria Baumgärtle am Freitag in einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Ein verstärktes Nach-draußen-Gehen hülfe dabei, der heutigen Gesellschaft das Christuszeugnis zu buchstabieren."
Als Beispiel nannte Schlachter das Kirchenasyl, das auch Orden anbieten können. "Die Willkommenskultur mag vorbei sein. Aber Christen helfen jedem in der Not - auch bei flüchtlingskritischer Stimmung. Also: Offenheit gegenüber dem Jetzt ja, aber mitunter mit prophetischem Widerspruch." Auch Fusionen von Ordensgruppen oder einzelnen Verwaltungseinheiten sollten vor dem Hintergrund des Mitgliederschwundes in Klostergemeinschaften erwogen werden, sie minderten den bürokratischen Aufwand.
"Es gibt immer noch junge Leute mit der Sehnsucht nach Ewigkeit"
Der 54-Jährige moderierte unlängst eine Tagung in Ottmaring bei Augsburg, bei der rund 100 Klostervertreter aus dem deutschen Sprachraum über die Zukunft ihrer Gemeinschaften berieten. Die Zahl der Ordensleute in Deutschland geht rapide zurück: Gab es vor 20 Jahren rund 41.000, sind es heute noch etwa 19.000. Schlachter erklärte, er glaube nicht, dass Klostergemeinschaften eines Tages völlig verschwänden. "Sie sind Orte des besonders konzentrierten Glaubens und Gott-Suchens. Es wird sie immer geben, sie sind wesentlich für die Kirche."
Der Pater ergänzte, die Chance für neue Berufungen sei nicht vorbei. "Es gibt immer noch junge Leute mit der Sehnsucht nach Ewigkeit, nach dem ewigen Gott." Schlachter verwies auf die Augsburger Glaubenskonferenz "Mehr", die seit einigen Jahren regelmäßig Tausende Jugendliche anzieht. Er erklärte: "Wir Ordensleute sollten versuchen, von solchen Formaten zu lernen, wie sie Begeisterung schaffen. Vielleicht kann uns das auch gelingen." Womöglich sei dafür aktuell sogar die rechte Zeit, so Schlachter. "Denn die Welt ist so kompliziert und unstet geworden - da sehnen sich viele Menschen nach klaren und verlässlichen Strukturen. Wir bieten sie." (KNA)