Papst zum Mitnehmen
In Rom ist der Neue gleich doppelt lukrativ: Der erste Lateinamerikaner auf dem Papstthron hat die Herzen der Menschen mit seiner Art im Sturm erobert – und Benedikt XVI. war ohnehin nie so ein "Verkaufsschlager" wie sein Vorgänger Johannes Paul II.
Das allererste Mitbringsel vieler Römer und Pilger war die Vatikanzeitung "Osservatore Romano". Auf dem Extrablatt mit dem Foto und Namen des neuen Papstes vorne und einem Porträt auf der letzten Seite steht "Sonderausgabe von Mittwoch, 13. März 2013 – 20.30 Uhr" – also nur eine Viertelstunde, nachdem sich Franziskus auf dem Balkon der Mittelloggia des Petersdoms erstmals gezeigt hatte. Der Verlag musste den "Osservatore" mehrfach nachdrucken. Touristen, Pilger, Monsignori und Sammler fragten die Sonderausgabe tagelang nach.
Bereits am Morgen nach der Papstwahl hatten die Andenkenläden in Rom die ersten Franziskus-Artikel: Vor allem Andachtsbildchen mit den Worten "Habemus Papam Franciscum" ("Wir haben Franziskus als Papst") und Postkarten von seinem ersten Auftritt auf dem Balkon. Auch den in einfachen Plastiktütchen verkauften Rosenkränzen wurden schnell Fotos von Bergoglio in der weißen Soutane hinzugefügt.
Wandteppiche, Kühlschrank-Magnete und Rosenkränze
Inzwischen ist das Sortiment so breit, wie bei den beiden Vorgängerpäpsten: Es gibt Schlüsselanhänger, Wandteppiche, Kühlschrank-Magnete und Rosenkränze in festen Dosen mit dem Papst-Konterfei oder seinem Wappen. Das beliebteste Motiv sind weiterhin die ersten Bilder von Franziskus – freilich oft mit einem retuschierten Hintergrund, etwa in Blau mit einer Sonne in Anlehnung an die argentinische Flagge.
Scheinen die Souvenirs rund um den Vatikan noch stark an ihren Zweck als Gebets- und Andachtsgegenstände gebunden zu sein, so rücken die Artikel aus Argentinien stark in die Nähe von Personenkult. In der Nähe der Kathedrale von Buenos Aires gibt es große und kleine Ansteckbuttons, Plakate, Kalender und – die Fußballnation lässt grüßen – Schals und Trikots mit dem Papstnamen und der Nummer 1.
Das zweite Zentrum des Interesses neben der Bischofskirche Bergoglios ist sein Heimatstadtviertel Flores. Nachdem zunächst Medienvertreter in das beschauliche Mittelklasseviertel eingefallen waren, werden schon bald die ersten Touristen nach dem Geburtshaus, der Schule und der Kirche des 76-Jährigen fragen.
Mancher Händler war zu schnell
Auch die Verkäufer im Internet waren schnell – oft auch zu schnell – mit der Herstellung ihrer Produkte: So gibt es beispielsweise auf den diversen landesspezifischen Seiten von Amazon zahlreiche T-Shirts und Pullis zu kaufen, auf denen "Franziskus I." oder "Pope Francis I." prangt. Die Information, dass Papst- wie Königsnamen erst dann rückwirkend eine Zählung erhalten, wenn in Zukunft jemand anders denselben Namen wählt, drang erst am Tag nach der Wahl zu allen durch.
Auf Papst-Souvenirs muss auch in Deutschland niemand verzichten: Die Deutsche Bischofskonferenz brachte Gebetszettel mit einigen Lebensdaten Bergoglios und einem Zitat der ersten Ansprache von Papst Franziskus heraus. An den großen Wallfahrtsorten und in katholischen Buchhandlungen war man ebenfalls nicht untätig. Hier erfreut sich insbesondere die Franziskus-Kerze großer Beliebtheit. Die von den Mitarbeitern selbst beklebten Kerzen werden etwa am Marienheiligtum Kevelaer genauso verkauft wie im Bonner Münsterladen. Zudem würden alle Artikel rund um den heiligen Franz von Assisi (nach dem sich der Papst benannte) und um den Jesuitenorden (dem er angehört) "sehr nachgefragt", sagt eine Verkäuferin der Bonner Buchhandlung.
Nachdem Papst Franziskus bei seinem ersten Angelus am Sonntag das Buch "Barmherzigkeit" des emeritierten Kurienkardinals Walter Kasper lobend erwähnt hatte, sei auch das im Nu ausverkauft gewesen. "Jetzt warten wir nur noch auf die Bücher über Papst Franziskus selbst", sagt der Pressesprecher des Stadtdekanats Bonn. Sie müssen sich nicht mehr lange gedulden: Der erste Titel erscheint noch im März.
Von Agathe Lukassek
Die Verlage Weltbild und Herder bringen am 12. April gemeinsam das Buch "Papst Franziskus - Wer er ist, wie er denkt, was ihn erwartet" von Radio Vatikan-Redakteur Stefan von Kempis heraus Das biografische Interviewbuch "Papst Franziskus. Mein Leben - mein Weg" von Jorge Mario Bergoglio, im Jahr 2010 verfasst, erscheint nach Ostern im Herder Verlag Bereits am 27. März kommt im Kösel-Verlag das Buch "Franziskus, der neue Papst" des Münchner Journalisten Simon Biallowons heraus Unter dem Titel "Franziskus - Zeichen der Hoffnung: Das Erbe Benedikts XVI. und die Schicksalswahl des neuen Papstes" soll am 15. April das neue Buch des früheren Bild-Korrespondenten Andreas Englisch im Bertelsmann-Verlag erscheinen (luk/gho)