Politiker-Bibel sammelt Lieblingszitate – ohne AfD
Der Hamburger "Kreuz Verlag" hat ein neues Buch herausgebracht: Unter dem Titel "Glaube, Liebe, Hoffnung" stellen 69 deutsche Vertreter aus Landes-, Bundes- sowie Europapolitik ihre Lieblingsstelle aus der Bibel vor, wie die evangelische Nachrichtenagentur "idea" berichtet. Herausgeber ist Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. AfD-Politiker wurden an dem Projekt nicht beteiligt.
In Schneiders Vorwort heißt es, dass sich die "völkische Programmatik" der Partei nicht mit der vom Apostel Paulus eingeforderten Lebenshaltung der Liebe vertrage, die man als "unaufgebbare Bindung politischen Redens und Handelns an die universale Menschenliebe Gottes" verstehe. Die AfD habe mehrfach "die Grenzen des Anstandes und des Respektes vor der Würde anderer Menschen durch gezielte Provokationen" verletzt.
Volker Münz, religionspolitischer Sprecher der AfD im Bundestag, findet es laut "idea" schade, dass seine Partei bei der Entstehung des Buches ausgeschlossen und ihre Ansichten den Bürgern vorenthalten wurden. Von "amtskirchlicher Seite" werde eine Diskussion bereits verhindert. Stattdessen würden moralische Sanktionen verhängt und konservative Christen ausgegrenzt, sagte Münz.
Vorkehrung gegen Übermaß und Allmachtsfantasien
In dem Buch "Glaube, Liebe, Hoffnung" kommen führende Politiker wie Wolfgang Schäuble (CDU), Heiko Maas (SPD), Manfred Weber (CSU) sowie die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock zu Wort. Bundestagspräsident und Protestant Schäuble bezieht sich beispielsweise auf die Stelle im Matthäusevangelium, in der es heißt: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes kommt" (Mt 4,4). Der christliche Glaube liefere eine ethische Grundlage für verantwortliche Politik. Er schaffe eine Vorkehrung gegen Übermaß, Allmachtsfantasie und Machtmissbrauch. "Religion ist politisch, aber sie ist nicht Politik", schreibt Schäuble.
Vergangenes Jahr hatte bereits eine Veröffentlichung des Würzburger "Echter Verlags" für Unmut in der AfD gesorgt. Der Verlag brachte eine Broschüre mit dem Titel "Christliches in der AfD" heraus, die größtenteils aus unbeschriebenen Seiten bestand. Die Partei bezeichnete das Heft als "Skandal" und prüfte juristische Schritte gegen den Verlag. Die Reaktionen auf die Broschüre haben den Verlag dazu veranlasst, ein Buch mit dem Titel "Christliches in den Parteien" zu veröffentlichen. Dieses erschien im September. (mal)