Polizei relativiert Zahl der Angriffe auf Kirchen in Leipzig
Die Leipziger Polizei hat die Zahl der Angriffe auf Kirchen in der Stadt relativiert und damit gleichzeitig dem Eindruck widersprochen, Leipzig nehme bei den entsprechenden Straftaten bundesweit einen Spitzenplatz ein. Zwar habe es im vergangenen Jahr 70 Übergriffe auf Gotteshäuser in der Stadt gegeben – in anderen Städten lägen aber durchaus noch mehr Anzeigen vor, sagte der stellvertretende Präsident der Polizeidirektion Leipzig, Michael Ruschitschka, laut einem Bericht der "Leipziger Volkszeitung" am Mittwoch bei einem Treffen mit rund 50 evangelischen und katholischen Geistlichen aus der Stadt. Das Treffen war Anfang des Jahres anberaumt worden, um sich über die Angriffe auf Kirchen im gesamten Stadtgebiet auszutauschen. Laut Ruschitschka machen Diebstähle und Sachbeschädigungen das Gros der Delikte in den Gotteshäusern aus, einmal habe es zudem eine Körperverletzung gegeben.
Gleichzeitig gab der Polizeivertreter den Geistlichen bei dem Treffen Tipps zur Abwehr von Übergriffen und zum Umgang mit entsprechenden Taten. Unter anderem empfahl er, nach einem Diebstahl oder einem Vandalismusfall unverzüglich das nächste Polizeirevier zu kontaktieren oder gar den Notruf 110 zu wählen. "Es erhöht die Aufklärungschance, wenn wir zeitnah Spuren sichern können", so Ruschitschka. Wenn Bauarbeiten an den Kirchen anstünden, bei denen Gerüste gesetzt würden, über die Einbrecher leichter in die Kirche eindringen könnten, sollten die Gemeinden bereits im Vorfeld Kontakt mit der Polizei aufnehmen. "Lassen Sie sich von unseren Fachleuten bei einem Ortstermin erläutern, welche Präventionsmaßnahmen sinnvoll sind", erläuterte Matthias Bradtke vom Fachdienst Prävention. Auffälligen Personen sollte zudem ein verbales Stopp-Schild gesetzt werden. Allerdings sei davon abzuraten, den Helden spielen zu wollen: "Suchen Sie im Falle einer Auseinandersetzung die Öffentlichkeit und informieren Sie uns so schnell wie möglich."
Den Tipp, Überwachungskameras zu installieren – Ruschitschka: "Kein Allheilmittel, aber durchaus von abschreckender Wirkung" –, wies der Leipziger Propst Gregor Giele von der katholischen Propsteikirche im Leipziger Zentrum laut der Zeitung aber zurück. "Mit jeder Kamera misstrauen wir allen", so der Geistliche. Ähnlich hatte sich Giele bereits im Februar gegenüber katholisch.de geäußert. Auf eine entsprechende Frage antwortete er damals: "Gerade Überwachungskameras signalisieren ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber allen Menschen, die in die Kirche kommen. So wollen wir als Gemeinde nicht miteinander umgehen." Die Öffnungszeiten seiner Kirche einzuschränken, um damit potenzielle Täter fernzuhalten, lehnte Giele ebenso ab: "Im Pfarreirat besteht Einigkeit darüber, dass die Kirche weiter offenbleiben soll. Das ist ein Angebot, das die Minderheit, die die Öffnungszeiten für Übergriffe ausnutzt, der friedlichen Mehrheit nicht versauen soll." Die Propsteikirche wurde in den vergangenen Jahren wiederholt Opfer von Übergriffen. (stz)