Priester in Not
Agnes Brendels Körper liegt am Rand eines Parkplatzes. Ihre Identität können Conny Mey und Frank Steier schnell feststellen. Motive und Täter aber bleiben unklar. Der "Tatort: Im Namen des Vaters", den die ARD am zweiten Weihnachtsfeiertag um 20.15 Uhr ausstrahlt, führt die Kommissare zu Menschen in materiell schwierigen Umständen im Frankfurter Gallusviertel.
Agnes war arm, lebte zusammen mit ihrem 18-jährigen Sohn Christian und ihrem zu Gewalttätigkeit neigenden Lebensgefährten Viktor. Der allerdings vergnügte sich an diesem Silvesterabend mit zwei jungen Frauen.
Wo Agnes gewesen ist, wissen weder Christina noch Viktor. Sie war nach einem Streit verschwunden. Das war nichts Ungewöhnliches. Agnes trank zu viel und hatte wechselnde Männerbekanntschaften. Trotz oder gerade wegen ihrer Haltlosigkeit suchte sie immer wieder die Nähe der Kirche. "Für die Mutter war es ein Riesending mit dem lieben Gott", sagt ihr Sohn Christian. Als er sich von der Toten verabschiedet, bekreuzigt er sich und legt ihr sein Kreuz um.
Kampf ums Beichtgeheimnis
Pater Markus von St. Ignatius war für sie eine Vertrauensperson. Er versichert Christian, er habe Agnes nach Weihnachten nicht mehr in der Kirche gesehen. Später räumt der Geistliche ein, dass er Agnes am Silvesterabend in der Masurka-Bar getroffen habe. Die Kommissare spüren, dass der Priester ihnen etwas verschweigt.
Als die Polizisten kurz davor sind, dem Täter ein Geständnis abzuringen, wird Pater Markus entführt. Die auf Rache sinnenden Täter ahnen nichts von den Fortschritten der Polizei und wollen dem Geistlichen den Namen von Agnes' Mörder entlocken, der bei Pater Markus gebeichtet hat. Der Priester ist jetzt in höchster Gefahr, denn sein Entführer schreckt vor keiner Brutalität zurück. Er will, dass Pater Markus das Beichtgeheimnis bricht.
Dieser Tatort aus Frankfurt, der wie schon die Folgen "Der Tote im Nachtzug" und "Es ist böse" auf einer authentischen Begebenheit aus dem Buch "Auf der Spur des Bösen" des deutschen Profilers Axel Petermann basiert, führt in die Welt von Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Agnes Brendel hat - durch den Dschungel ihres desolaten Lebens wankend - versucht, Trost im Glauben zu finden. Sie war eine Suchende, die ständig an ihrer eigenen Schwäche scheitert und mehrfach zum Opfer wurde.
Kühles Kontrastprogramm
Die Aufmerksamkeit dieses Krimis gilt aber nicht nur dem sozialen Brennpunkt einer Großstadt, sondern auch der schwierigen Arbeit von Priestern in Problemvierteln. Immer wieder sehen sie sich konfrontiert mit denen, die in dieser Gesellschaft scheitern, für die es wenig Chancen und Hoffnung zu geben scheint. Sich ihnen zuzuwenden, sie anzunehmen und nicht aufzugeben ist anstrengend und kostet viel Kraft. Zur schweren Bürde wird es für den Priester, wenn ihm einer seiner Gläubigen im Beichtstuhl ein Kapitalverbrechen gesteht.
Eindringlich zeigt der Film die Last, die Pater Markus trägt. Das Geheimnis bewahrend wird er zum Geschundenen. In diesen Szenen allerdings hätte die Regie, die ansonsten die Geschichte ruhig und klassisch korrekt erzählt, ein wenig zurückhaltender sein können. Der «Tatort: Im Namen des Vaters» beleuchtet die Schattenseiten unserer Gesellschaft und ist ein kühles Kontrastprogramm zur romantisch aufgeladenen Festtagsstimmung.
Von Monika Herrmann-Schiel
Tatort: Im Namen des Vaters, Buch und Regie: Lars Kraume. ARD, Mittwoch, 26.12., 20.15 - 21.45 Uhr. Mit Untertiteln für Hörgeschädigte.