Promis mit Profil
Ehrengast ist das südostasiatische Land Indonesien, dessen Einwohner sich zu 88 Prozent zum Islam bekennen. Die religiöse Literatur zählt im nach Einwohnern viertgrößten Land der Welt zu den wichtigsten Genres - besonders die Verbreitung islamischen Denkens "auf eine freundliche und offene Weise", wie es bei dem führenden Verlag Mizan heißt. Bei Debatten über die politische Rolle des Islam hält man sich dagegen zurück: Das verkaufe sich eher schlecht.
Diese politische Ebene sorgt indes bereits vor Beginn der Buchmesse am heutigen Dienstag für Schlagzeilen. In der vergangenen Woche sagte der Iran seine Teilnahme an der weltgrößten Bücherschau ab. Als Grund gab das Kultusministerium die Gastrede des Schriftstellers Salman Rushdie bei der Eröffnung an: Er sei wegen seiner "islam-beleidigenden Bücher" in der islamischen Welt verhasst.
Buchmessen-Direktor Juergen Boos äußerte am Montag sein Bedauern über die Absage, betonte jedoch zugleich: "Die Freiheit des Wortes ist nicht verhandelbar." Es dürfe nicht in Vergessenheit geraten, dass Rushdie "für sein Werk immer noch mit dem Tod bedroht wird". Der iranische Religionsführer Ayatollah Khomeini hatte den britisch-indischen Autor 1989 mit einer Fatwa zum Tode verurteilt. Begründet wurde der islamische Richtspruch damit, dass sein Buch "Die satanischen Verse" (1988) "gegen den Islam, den Propheten und den Koran" gerichtet sei.
Meinungsfreiheit ist eines der Schwerpunktthemen der Buchmesse. Die Einladung Rushdies hatte die Buchmesse im Vorfeld damit begründet, dass seine Biografie und sein literarisches Werk ihm "eine gewichtige Stimme in der weltweiten Diskussion über Meinungsfreiheit im Publizieren" verliehen. Auch in Rushdies neuem Buch "Zwei Jahre, acht Monate und achtundzwanzig Nächte" geht es um den Widerstreit von religiösem Fanatismus und Vernunft.
Am Freitag kommt der "Popstar der Religionsskeptiker"
Rushdie ist nicht der einzige profilierte Buchmessen-Gast zum Thema. Am Freitag spricht Hamed Abdel-Samad über sein umstrittenes Buch "Mohammed. Eine Abrechnung". Auch gegen den deutsch-ägyptischen Politologen gab es bereits Mordaufrufe. Sein neuestes Werk, in dem er der Gewalt im Islam auf der Spur ist, erntete teils vernichtende Kritiken, hat jedoch soeben Platz 1 der Bestsellerliste des "Spiegel" erreicht.
Die "Stuttgarter Zeitung" nannte Abdel-Samad jüngst den "Popstar der Religionsskeptiker"; seine Lesungen finden unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Ob der Islam in Form einer "missbrauchten Religiosität" damit die westliche Freiheit bedroht, ist Thema einer Diskussionsrunde der Buchmesse am Samstag. Podien zu "Glaubensfragen im Islam" stehen in Frankfurt ebenso auf dem Programm wie "Der Balkan als europäisches Zuhause für Muslime". Unter den Autoren sind einige, die sich schon lange mit verwandten Themen befassen, etwa Feridun Zaimoglu, Zeruya Shalev oder Rafik Schami.
Auch der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ist in diesem Jahr eng mit der Religionsdebatte verbandelt. Er wird am Sonntag an den deutsch-iranischen Schriftsteller Navid Kermani verliehen. Auch er ist ein Mann der klaren Worte: Zuletzt würdigte der Orientalist die Rolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Flüchtlingskrise und warnte vor einem Genozid an religiösen Minderheiten durch die Terrormiliz "Islamischer Staat".
Sein neustes Werk "Ungläubiges Staunen. Über das Christentum" sorgte für Diskussionen - ein Argument eher für als gegen die Auszeichnung. In der Begründung hieß es, Kermani sei "eine der wichtigsten Stimmen in unserer Gesellschaft". Und diese, betonte der preisverleihende Stiftungsrat, müsse sich "mehr denn je den Erfahrungswelten von Menschen unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft stellen".
Die Frankfurter Buchmesse ist mit inzwischen über 7.000 Ausstellern die weltweit größte Veranstaltung ihrer Art. Im vergangenen Jahr fanden rund 270.000 Besucher den Weg in die Messestadt am Main. Hauptadressaten sind Verleger, Autoren, Buchhändler und Agenten.Die Buchmesse in ihrer heutigen Form existiert seit 1949. Insgesamt blickt Frankfurt aber auf eine mehr als 500-jährige Tradition als Umschlagplatz für Literatur zurück.
Papst Franziskus, Oscar Romero, Spiritualität - das sind einige Themen, mit denen sich die Mitglieder des Katholischen Medienverbandes nach Angaben von Geschäftsführer Konrad Höß auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren. Rund 35 Verbandsmitglieder seien auf der weltgrößten Bücherschau dabei, mehrheitlich Verlage. In den Büchern um den südamerikanischen Papst und den Seligen Romero ginge es auch um Fragen rund um die Befreiungstheologie. Ebenfalls im Angebot seien Bücher, in denen Prominente sich über ihren Glauben und die Kirche äußerten. "Das ist ein Trend, den man in den letzten Jahren beobachten konnte und der auch nachgefragt wird", sagte Höß. (gho/KNA)